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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 193 (sequence 55)
Language
German
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193 Gretchens Bruder Valentin, steht im Begriff, die fast Betäubte dem lange und sanft werbenden Viktoria, dem all zu nahen Verwandten Brackenburgs, zu vermählen, als der Herzog an der zum Kirchgang bereiten Gruppe vorbeikommt. Es wird für ihn auf das Heute kaum noch ein Morgen folgen, und schon hat sich das Gerücht verbreitet, er werde für diese letzte Nacht das schönste Mädchen seiner Stadt zu sich aufs Schloß entbieten. Nun erscheint ihm Beatrice als die Schönste. Und sie, mit traumhafter Sicherheit, stellt ihre Bedingungen: sie will keine noch so fürstlichen Geschenke, sie will Bentivoglios rechtmäßige Gattin, seine Herzogin werden. Er, in raschem Entschluß, gewährt es ihr, und bei bakchanalischem Fest der Bevölkerung feiert man wenige Stunden später die Hochzeit. Die junge Herzogin aber stiehlt sich aus dem Schlosse fort und eilt zu Filippo. Die Erfüllung ihres Machttraumes hat sie nicht befriedigen können, ihre Liebe zu Filippo war das Uebergewaltige in ihr — „und je mehr die Stunde nahte, da ich Dir ganz verloren war, um so mächt'ger rang meine Seele nur nach Dir!" So ist sie gekommen, ihm noch einmal anzugehören und dann vereint mit ihm zu sterben. Auch dieses letzte Glück zerstört sich der Grübler. Er weiß so peinigend in der Todbereiten Sterbensfurcht zu erregen, daß sie zurückschaudert. Da verstößt er sie wiederum und vergiftet sich allein. Mit dem Angstschrei „Leben!" stürzt die Gefolterte von seiner Leiche fort. Fm Schloß hat man ihr Verschwinden bemerkt, und der zurückgekehrten fehlt der Schleier, den sie bisher trug. Sie wird zur Rede gestellt, verweigert die Auskunft, soll als Hexe und Verräterin hingerichtet werden, durchleidet noch einmal den Krampf der Todesfurcht und verspricht, vom Herzog geleitet den Schleier herbeizuschaffen. Und noch ein drittes Mal im Sterbezimmer Filippos, fällt sie die entsetzliche Angst an; sie erniedrigt sich zu verführerischen Bitten an den Herzog, sie läßt es zu, daß er den Leichnam des ihm persönlich unbekannten Toten beschimpft. Denn endlich kommt eine große Müdigkeit über Beatrice, sie bettelt um einen erlösenden Dolchstich. Der Herzog 13

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