Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Aber er ist eben bedenklich, stolz auf sein Zugreifen. Das erscheint ihm nicht selbstverständlich genug; er ist im Innern ein schwankender Grübler und hat mit seiner raschen Tat die Grenze seines Wesens überschritten. So vermag er das Glück nicht lange ungetrübt zu genießen. Beatrice erzählt ihm harmlos-kindlich einen Traum, in dem sie sich als Herzogin gesehen. Das vergällt dem bohrenden Grübler allen Genuß. Er verstößt die Geliebte wegen ihrer innerlichen Untreue. Denn „Träume sind Begierden ohne Mut, sind freche Wünsche, die das Licht des Tages zurückjagt in die Winkel unserer Seele." Beatrice geht, ohne zu ahnen, weswegen sie verstoßen sein soll — „Ich lieb' Dich ja, Filippo!" —, und der Dichter quält sich mit einem wilden Sehnen, das er nicht zur Tat gestalten kann. . . . Den, der sie mir nahm Im Traum, in Wahrheit töten! Doch der Einfall, Statt mich zum Schloß des Herzogs hinzujagen. Bannt hier mich fest, und der Entschließung Kraft Stirbt auf dem steilen Weg zur Tat dahin. Daß ich sie heimgeschickt mit schönen Worten, Ist mir genug. Und quillt aus dieser Torheit Einmal ein Lied, so ist 's der höchste Preis, Den mir das Leben hinwirft für die Schmach, Daß ich zu schwach bin, es mit Stolz zu leben. Die Qual über das bloß Betrachtende, das zum starken Handeln unfähige seines Wesens und Berufes, die Qual des lähmenden Selbstbespiegelns wird ihn bis zum selbstbereiteten Ende umkrallen. Er wird schließlich nicht nur die heldischen Tatmenschen, nein auch den schlichtesten einheitlich gefesteten Mann beneiden, der sich nie als Uebermensch fühlen kann, sich aber auch niemals selber verachten muß. Während Fllippo vergeblich in entzügeltem Genuß seiner Zerrissenheit Herr zu werden sucht, gelangt Beatrice auf Märchenpfaden zur Erfüllung ihres Traumes. Ihr Bruder Francesco, ein allzu enger Verwandter von