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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 190 (sequence 52)
Language
German
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190 Schwelle überschreiten müsse. Da stürzt sich Paola aus Lionardo, erdolcht ihn und bleibt starr mit erhobenem Dolch vor der Leiche stehen. In diesem Augenblick überkommt es Remigio, der ein halbfertiges Bild seiner Gattin auf der Staffelei hat, daß eben jetzt in ihrer Haltung, chreni Blick Paolas wahres Wesen zu Tage trete. War dies der Sirrn? Ist mein Gebet erhört. Daß für mein Bildnis mir Erleuchtung werde? Ja so vollend' ich's! Der du dies gefügt, O Himmel eine Stunde lang gewähre Der Seele Frieden, Ruhe dieser Hand. Und so begibt er sich an die Arbeit. Wie sehr wägt Schnitzler in seinen Gegenwartsdichtungen das Recht des Künstlers zweifelnd ab, und mit welcher Selbstverständlichkeit läßt er seinen Remigio im furchtbarsten Erleben zum Pinsel greifen; wie sehr müssen im „Zwischenspiel" die Gatten sich zerquälen, weil ihr sinnliches Begehren nicht immer mit der Neigung chres Herzens und Geistes in Einklang zu bringen ist, und wie ruhig und sicher lebt Paola nach dem Satze: „Zusmnmen wach sein, das allein bedeutet". So stark und gerade vermag der Dichter nur im freien Phantasiespiel die Menschen zu gestalten, deren einer zu sein bisweilen sein höchstes Sehnen ist. Aber auch die Zerrissenheit, die Unsicherheit seines eigenen Wesens kann im Gegenwart-entrückten Spiel ungleich kräftigere Gestaltung erhalten als in den modernen sozusagen Kultur-gehemmten Stücken. So malte er beide Charaktere, den sicheren Tatmenschen und den lebenssehnsüchtigen Grübler, sein tatsächliches und sein ersehntes Ich, am vollkommensten in einem reinen Phantasiespiel, in dem Renaiffance-Drama vom Jahre 1900. „Der Schleier der Beatrice" scheint mir seine schönste und ist sicher seine umfassendste Schöpfung auf dramatischem Gebiet. Schnitzler wählte die Renaissancezeit für seine Dichtung, weil diese Epoche wie keine andere dem modernen Menschen die

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