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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 189

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 189 (sequence 51)
Language
German
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189 zwar auch schon dicht beieinander, sind aber doch sichtlich getrennt. Hier geht es wieder um das Vorrecht des Künstlers, das Genußrecht der Frau. Auch Schnitzlers Grauen vor der Gebundenheit des menschlichen Wollens, der innerlichen Unsicherheit des Menschen kommt zum Ausdruck. Frau Pauline, die Gattin des großen Dichters, den sie liebt, und dem sie vielleicht bisweilen nur Stoff, nur Modell ist, trifft mit ihrem Verehrer in der Mldergallerie zusammen. Sie will ihrer nur sinnlichen Neigung zu ihm widerstehen und gibt den Widerstand auf, da sie in einem traumhaften Augenblick die Phantasiemöglichkeiten ihres Lebens, das was ohne die Hemmungen der Gegenwart aus dem Wesen und der Sehnsucht der beteiligten Menschen erwachsen könnte, das ideale und potenzierte Sein also, fest gestaltet vor sich sieht. Vor dem Bildnis einer in Renaissancetracht gekleideten Frau, die mit erhobenem Dolche starr zu Boden sieht, versinkt Pauline in einen Traum, der ihrem Begleiter nur Sekunden zu währen scheint. Bei ihrem Erwachen drückt sich dann „in ihren Zügen allmählich die Ueberzeugung aus, daß ein Schicksal über ihr ist, dem sie nicht entrinnen kann". Mehr noch als durch szenische Mittel hat der Dichter durch eine wunderschöne Verssprache den Traum von der in schlichter Alltagsprosa skizzierten Realität abgesondert. Pauline ist zu der Frau auf dem Gemälde geworden. Sie ist Paola, und ihr Gatte Remigio, der ruhmvollste, bedeutendste Maler, weilt fern. Seinem jungen und anmutigen Schüler Lionardo hat sie die Nacht geschenkt; am Tage aber verstößt sie den Berauschten. Das nächtliche Abenteuer soll ihr so wenig bedeuten, wie sie die vielen Liebes-Abenteuer Remigios bekümmern. Sie fühlt sich als seine Genossin und. Gattin — „zusammen wach sein, das allein bedeutet". Lionardo sieht sich verworfen undmag die Schmach nicht überleben. Als Remigio unvermutet erscheint und Paola sich sogleich zu ihrem Tun bekennt, fordert der Jüngling von seinem Meister den Tod. Und da Remigio ihn gehen heißt, schwört er erbittert, für solche Verachtung blutige Rache an dem Maler zu nehmen, wenn er so erniedrigt die

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