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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 186

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 186 (sequence 48)
Language
German
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186 VI. Spiele. Der Frohsinn einiger Schöpfungen kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß das eigentliche Element Arthur Schnitzlers das Tragische ist. Sehnsucht nach vollem Lebensgenuß, schmerzhaft eingeklammert zwischen geistigen und seelischen Hemmungen und dem rastlos spornenden Todesgrauen trat überall als Kern seines Wesens zutage. Doch vermochte er in den bisher erwähnten Gegenwarts- Dichtungen diesen Dingen schließlich immer nur gedämpften Ausdruck zu geben. Die moderne Kultur läßt fast nirgends den lauten Schrei des Begehrens und Fürchtens zu, und gar entsprechend elementare Taten unterdrückt sie erst recht. Und Schnitzler, der ja an der Einheitlichkeit und Stärke des eigenen Empfindens so qualvoll zu zweifeln vermag, befleißigt sich ganz besonders solcher Abdämpfungen, wo er moderne Menschen schildert. Aber manchmal drängt es ihn doch, was er fühlt oder fühlen möchte, in aller Stärke auszudrücken und ganz in Taten umzusetzen. Dann muß er aus der Gegenwart heraus und in Märchenfernen flüchten. Seine Phantasie - Spiele sind seinen Gegenwartsdramen blutsverwandt, es sind ihre offeneren und mächtigeren, und so doch auch wohl ihre schöneren Geschwister. Auch fließt, da sie zeitentrückter und also minderbelastet mit den vergänglichen Problemen des Tages sind, weniger irdisches Blut und mehr Götterichor in ihren Adern, und so dürfte ihnen ein längeres Leben beschieden sein. Nur einmal hat es Schnitzler versucht, den vollen Ausdruck seines Sehnens in einem Gegenwartsstück laut werden zu lassen, und da scheiterte er, weil er Ersehntes und Reales zu heterogener Mischung brachte, weil er die Sprödheit des Gegenwärtigen mit allzu greller Phantastik übertünchte. „Der Ruf des Lebens" mutet bei allen Einzelschönheiten wie ein unmögliches Schauerstück an, in dem sich die gewaltsamen Ereignisse

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