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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 184

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 184 (sequence 46)
Language
German
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184 macher die Anregung zu einem Rachegedanken. Einmal wenigstens möchte er seinen ehemaligen Freund, dem ruhmgekrönten Dichter Weihgast die Wochrheit ins Gesicht sagen. Du bist ja weniger als ich. der verkommene Journalist, will er ihm zurufen, auch Deine Frau, die zwei Jahre lang meine Geliebte war, kennt Deine Nichtigkeit. Um eine größere Wirkung zu erzielen, studiert er mit dem schwindsüchtigen Schauspieler diese Racheszene ein, während ein menschenfreundlicher Arzt den berühmten Dichter herbeiholt. Und als dann Weihgast vor Rademacher steht, da erscheint der Ruhmvolle dem Scharfblick des Sterbenden so klein, so bedrückt, so einzig von der Illusion seines ehelichen Glückes zehrend, so ohne Freude an seinem eigentlichen Beruf— („Wer hat mehr Enttäuschungen erlebt? Immer der, der scheinbar mehr erreicht hat .... nichts als Kämpfe und Sorgen".) — daß Rademacher die Racheszene für sich behält und mit einer Art freudigen Stolzes stirbt: „Wie armselig sind doch die Leute, die auch morgen noch leben müssen". Daß er gründlich zwischen Künstlertum und Künstlerschein zu unterscheiden weiß, hat Schnitzler am besten in seiner ausgelassenen Komödie „Literatur" bewiesen, dem trefflichen Satyrspiel, das den tragischen Einaktercyklus „Lebendige Stunden" *) beschließt. Die „Dichterin" Margarethe, die geschiedene Frau eines Fabrikanten, die gewesene Geliebte des Bohemiens Gilbert, wird den Aristokraten Clemens heiraten, einen gutmütig täppischen, zugleich tüchtigen und beschränkten Menschen. Schnitzler hat ihn nirgends deutlicher gezeichnet als in einer Plauderei, die wieder Gelegenheit zur Anbringung des jüdischen Schnörkels bot. Die zwei Maler, plaudert Clemens aus Margarethes Bohömetagen „müssen übrigens Juden gewesen sein . . . weil sie immer so Witze gemacht haben — und dann die Aussprache". Darauf Margarethe: „Antisemitische Bemerkungen kannst Du Dir schenken". Und er gutmütig harmlos: „Aber Kind sei doch nicht so empfindlich. Ich weiß ja, daß Du nur Halbblut bist, und ich Hab' wirklich nichts gegen die Juden. (S. die Anmerkung auf Seite 179.

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