Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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183 sind Künstler, haben Genre, haben also nach Wegraths Wort doch vielleicht das Vorrecht der Elemente, rücksichts- und zügellos zu sein. Freilich — vielleicht nur, denn in seinem Drama läßt ja Schnitzler die drei Künstler genau so ihre Verschuldungen büßen, wie der gewöhnliche Sterbliche zahlen muß. In einem Einakter, der wieder der Novelle näher steht als dem Drama, hat der Dichter hingegen einen Berufsgenossen gezeichnet, der sein Sonderrecht rat traurigsten Fall erfolgreich zu verteidigen weiß. Heinrichs schwerkranke Mutter in den „Lebendigen Stunden" hat chr Ende durch eine größere Dosis der verordneten Medizin beschleunigt, weil sie fühlte, wie ihm ihr Leiden das dichterische Schaffen unmöglich machte. Der verbitterte alte Freund der Toten, der das Geheimnis ihres Sterbens kennt, verrät es dem wiederauflebenden Dichter. Der empört sich gegen solchen Verrat: der Alte habe „den ganzen Sinn dieses Opfertodes zerstört". Und als Hausdorfer in seinem Gram chm und allen Künstlern Hochmut vorwirft — denn diese „ganze Schreiberei" sei ja nichts gegen irgend eine „lebendige Stunde", die der Alte mit der Toten durchlebt habe, da rafft sich der Dichter zum vollen und tröstlichen Erfassen seiner Kunst, seines Amtes auf. Es sei, sagt er, „nicht der schlechteste Beruf, solchen Stunden Dauer zu verleihen über ihre Zeit hinaus". Dieser etwas krampfhafte Hymnus auf die Sonderstellung des Künstlers gilt aber nur dem seltenen ganz Begnadeten, den keine Skrupel an seinem Können quälen, der auch nicht nur von der Illusion solches Könnens lebt. Das klägliche Gegenbild zu jenem aufrechten Dichter bildet der erfolggekrönte Alexander Weihgast in den „Letzten Masken". Der tragische Akt spielt in einem Wiener Krankenhaus. Der bewußt sterbende Journalist Rademacher und der verlorene und hoffnungsfreudige Schauspieler Jackwerth haben das gleiche Zimmer inne. Jackwerth unterhält sich, indem er Studien treibt, den Arzt, die Wärter und Kranken kopiert. „Ich Hab' mir sogar ausstudiert" (sagt er), „wem ich als Geist erscheinen würde, wenn ich einmal gestorben bin". Das gibt Rade-