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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 182 (sequence 44)
Language
German
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182 Schnitzler hat Sala und seine letzte Partnerin, Wegraths Tochter Johanna, mit einem etwas mystischen Stimmungsnebel umhüllt. Man erfährt nur, daß eben auch Stephan von Sala viel genossen und wenig verschenkt, daß er in allen Verhältnissen sich selbst bewahrt hat und also einsam geblieben ist. Nun dem tötlich Herzkranken das Ende bevorsteht, quält diese Einsamkeit auch ihn trotz all seiner guten Haltung. Ein letztes Glück findet er bei der schwärmerisch, fast krankhaft veranlagten Johanna. Es ift; Verschuldung, daß er dieses Glück willig hinnimmt, daß er die Krankhafte um jede Möglichkeit bringt, auf fester Lebensbahn zu gesunden. Johanna endet im Teich der Sala'schen Villa, und auch Sala wird selber ein Ende machen. „Er bezahlt," sagt Fichtner. Noch einen dritten „einsamen Weg" zeichnete Schnitzler in seinem Drama, episodisch aber mit großer Eindringlichkeit, indem er das Thema ins Weibliche transponierte. Er entschleiert in einer knappen Szene das Schicksal der Schauspielerin Irene Herms, die mit dem jungen Julian ein kurzes Liebesbündnis hatte. Sie verstanden sich beide gleich schlecht aufs Treuehalten. Nun sitzen sie als einsame Menschen einander gegenüber. Es ist das „Bertha Garlan"-Thema, das in Irene aufklingt. „Was glaubst Du, wär' das damals geschehen — meinst Du, ich hält' so was anstellen können, wenn wir — ein Kind . . . wenn wir — das Kind gehabt hätten?" Sie „pfeift" auf ihre großen Bühnenerfolge, sie empfindet nur die Armut ihres kinderlosen Lebens, und ihr damaliges Verhalten scheint ihr ein verbrecherisches zu sein. So ist denn in diesem Drama der Liebe überall die ernsteste Seite abgewonnen, ist überall eine äußerste Vertiefung der anfänglichen erotischen Spiele erreicht. An ihrem Pflichtgefühl vor allem, an ihrem Verhältnis zum Kinde werden die Menschen gemessen. Doch neben diesem Allgemeinen beschäftigt den Dichter immerfort noch ein ihn besonders angehender Umstand. Die drei Einsamen des Stückes können alle gewissermaßen einen Milderungsgrund für ihr Verhalten geltend machen: Fichtner ist Maler, Sala Dichter, Irene Herms Schauspielerin; sie

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