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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 179

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 179 (sequence 41)
Language
German
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179?>es alternden Professors ist gestorben; er weiß, daß er sie längst verloren hatte, daß sie nicht seine „Gefährtin", nur auf kurze Zeit seine Geliebte war, daß sie seinen: Assistenten gehörte, daß dieser heute mehr zu betrauern ist als er, der rechtmäßige Gatte. Er hätte sie sreigegeben, wenn Eveline ihn darum gebeten hätte — aber es war doch erkämpfte, erheuchelte Ruhe, die ihn zu solchen Absichten kommen ließ, er liebte die Frau immerfort und litt um sie. Und nun erfährt er, daß Eveline gär nicht daran gedacht hat, dem jungen Liebhaber dauernd anzugehören, daß diese Liebschaft ihr ein so leichtes Erlebnis war wie die Ehe mit dem schwerblütigen Mann, daß „das Leben so leicht für sie war — wie Menschen ffeiner] Art gar nicht begreifen können", daß eine ihm fremde und unendlich ferne Frau „zufällig in diesem Hause gestorben ist". Diesen ernsten und feinen Ehestudien hat Schnitzler in jüngster Zeit eine hanebüchen derbe und schwankartige in dem Einakter „Komtesse Mizzi oder der Familientag" beigegeben. Es verursachte ihm offenbar ein großes Behagen, einmal starknervige, dabei nicht allzu skrupellose Menschen zu zeichnen, die mit sicheren Händen den Lebensgenuß ergreifen, ohne dabei an Würde einzubüßen, ohne auch fremde Rechte allzusehr zu schädigen. In seinem Behagen vernachlässigte der Dichter freilich die Wahrscheinlichkeit der Handlung, kümmerte sich auch recht wenig um die üblichen Begriffe des Anständigen. Während solche Ehestudien das Verhältnis der Gatten zueinander in den Vordergrund stellen und das Kind nur nebenher erwähnen, spielt dies die wesentlichste Rolle im tz Zweimal hat Schnitzler Einaktercyklen veröffentlicht. Der erste enthält den „Grünen Kakadu", „Paracelsus" und „Die Gefährtin", der zweite die „Lebendigen Stunden", „Die Frau mit dem Dolche", „Die letzten Masken" und „Literatur". Eine Zusammengehörigkeit der einzelnen Stücke besteht kaum; man könnte von verwandten Ideen reden, womit es aber eigentlich nicht sehr viel weiter her ist als mit der naturgemäßen Verwandtschaft der meisten Schnitzler'schen Dichtungen untereinander. Ich glaubte deshalb von einer zusarwnensassenden Behandlung der selbständigen Cyclusteile absehen zu dürfen. 12*

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