Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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178 setzen. Nur daß der Gereifte glücklicherweise den allgemeinen Thesen aus dem Wege gegangen und sich begnügt Hatz besondere Menschen in besonderen Lebenlagen darzustellen. Die feinste, vielleicht allzufeine bis ins spitzfindig Verstiegene grübelnde und individualisierende Auseinandersetzung mit der Ehe hat Schnitzler im „Zwischenspiel" gegeben, das er mit leiser Selbstironie eine „Komödie" nannte. Er weiß ja selber, daß es in dieser aufs äußerste getriebenen Seelenanalyse eines Künstlerpaares kaum dramatisch und sicherlich nicht fröhlich zugeht. Der Kapellmeister Amadaeus und die Sängerin Cäcilie trennen sich nach mehrjähriger glücklicher Ehe, finden sich zu kurzem Liebesrausche wieder und müssen aufs neue und nun dauernder zur Bewahrung ihrer Selbstachtung von einander scheiden, obwohl sie nie klarer gefühlt haben, wie sehr sie geistig und seelisch zusammengehören. Sie haben eine neue und freiere Ehe führen wollen und sind bei diesem Unterfangen gescheitert. Sie wollten sich immer wahrhaftige Freundschaft halten, ihren Sinnen aber sollte es erlaubt sein, auch über die eheliche Grenze hinauszugreifen. Aus Trotz und Stolz verschwiegen sie einander, wie sehr den einen das erste Abirren des anderen kränkte, sie trieben sich gegenseitig weiter, als sie ursprünglich gehen wollten, die Frau glitt in erträumte, der Mann in reale Abenteuer; sie bedachten im Anfang wohl nicht, wie schlecht es um die getrennte Buchführung zwischen seelischer und sinnlicher Liebe steht. Als ihre Ehe ganz aufhörte, wollten sie wie Kameraden leben; als dann die alte Liebe wieder ihre Kameradschaft störte, sind sie zu feinfühlig, um ein so brüchiges Verhältnis weilerzuführen. Hier steht keine These, kein Für und Wider zur Verhandlung, braucht von keinem Parteiergreisen des Dichters die Rede zu sein; er geht nur den Empfindungen überempfindlicher Menschen nach, denen kein Pflichtgebot und keine Robustheit des Gewissens Hilfe gegen innerliche Konflikte gewährt. Ein wenig robuster zeichnete Schnitzler eine nichtige Ehe in dem Einakter „Die Gefährtin" Die junge Gattin