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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 172

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 172 (sequence 34)
Language
German
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172 nicht weiterleben. „Für Sie ist es ein Wahn, andere sind in diesem „Wahne" ausgewachsen. Was Ihnen Wahn ist, ist für andere das Element, in dem sie leben." Paul Rönning bleibt auch dann fest, als chm Rohnstedt den unblutigen Ausgang des Duells garantiert. Er will sich so wenig zu einer lächerlichen Komödie wie zu einem sinnlosen Trauerspiel hergeben. Aber als man ihm nun warnend rät. er möge eilig init seiner Braut abreisen. denn der verzweifelte Karinski werde ihn jetzt auf der Straße stellen, da erwachen in diesem Ueberwinder der sinnlosen Anschauungen doch wieder die alten sterbensmüden Ideen. Nun mag er sich nicht feige schelten lassen, vergißt alles, was er eben über „die Komödie vom Mannesmut und von der Verachtung des Lebens" gesagt hat, steckt einen Revolver zu sich und läuft dem Gegner zu einer Art wildwestlichen Duells gerade in den Weg. Karinskis Kugel trifft ihn, ehe er von seiner Waffe Gebrauch machen kann. Dieser Tod vermag kein Mitgefühl zu erwecken. Oder doch nur insofern, als Pauls Ende den Selbstmord des Gegners und das Sinken der haltlos gewordenen Anna zur Folge haben muß. Aber dem töricht und würdelos Schwankenden selber wird das Publikum sicherlich ebenso ungerührt gegenüber stehen wie dem gleich veranlagten Fedor Denner im „Märchen". Trauriger als um diese beiden Thesenstücke ist es um das dritte Drama der gleichen Gattung bestellt. Denn während man jenen überall mit gleichmütigem Interesse, nirgends mit heißem Anteil folgt, sodaß man von völligem Genuß und völliger Enttäuschung gleich weit entfernt ist, reißt Schnitzler in seinem „Vermächtnis" den Hörer durch den ersten meisterlich gelungenen Akt zu leidenschaftlicher Teilnahme hin, um ihn mit den zwei folgenden desto empfindlicher zu quälen und zu erkälten. Der erste Akt will keine These beweisen oder erörtern — er zeichnet nur Menschen. Und Schnitzler hat seinen mächtigsten Helfer neben sich: den Tod. Man bringt den blutjungen Hugo Losatti von einem Spazierritt nach schwerem Sturz sterbend heim. Die Losattis

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