Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 33)
- Language
- German
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171 erhält er sich ein gut zahlendes Publikum und braucht selber seinen Damen keine hohen Gagen zu geben. (Mit zwei, drei Strichen ist neben diesen Ehrenmann der gutmütig anständige Kassierer Kohn gestellt. — Die Handbewegung nach der „linken Brustseite".) Auf Anna Riedel, die Naive unter den Schauspielerinnen, erhebt der Oberleutnant Karinski leidenschaftlichen Anspruch. Schnitzler hat es verstanden, dem brutalen Gesellen einige sympathische Züge zu verlechen. Karinski ist schlecht, weil er unglücklich ist. Seine Landsknechts- und Renaissancenatur paßt gar nicht in die engen Verhältnisse eines Friedensoffiziers, er rennt wütend gegen alle Schranken an und stößt sich wund an chnen. Andrerseits ist es ihm unmöglich, nach einem paßlicheren Posten auszublicken. Sein tüchtiger Kamerad Rohnstedt sagt ihm: „Karinski, unser Kreis ist so eng — und die Welt ist so groß!" und erhält die Antwort: „Nicht für mich. Meine Welt ist da bei Euch, unter meinesgleichen, unter denen, die mich bis jetzt als ihresgleichen haben gelten lassen." Bis jetzt—denn nun sieht er sich in dieser Existenzmöglichkeit bedroht. Er hat in seiner Zügellosigkeit Anna Riedel wie eine Dirne behandelt und ist deswegen von Paul Rönning, ihrem aufrichtigen, achtungsvoll um sie werbenden Freunde, geohrfeigt worden. Nur ein Duell vermag Karinskis Ehre wieder herzustellen, und Rönning lehnt den Waffengang ab. Daß ihn die Freunde als einen Ehrlosen verlassen, wenn er dein Duell aus dem Wege geht, rührt ihn nicht. Es geht ihm ähnlich wie Fedor Denner; auch er hat für sein Tun den persönlichen Grund seiner Liebe zu Anna, der er sich erhalten muß, auch er kann zugleich eine Ueberzeugung, die der Gesellschafts-Ansicht widerspricht, in die Praxis umsetzen. Er will nicht „die Komödie vom Mannesmut und von der Verachtung des Lebens" spielen, will sein Leben vielleicht „für eine große Idee", keineswegs in einem „blödsinnigen Duell" aufs Spiel fetzen. Er beharrt bei seiner Ansicht, als ihn Karinskis Kamerad Rohnstedt auf ernste Gründe gestützt um Annahme des Duells bittet. Karinski, sagt dieser, könne ohne das Duell nicht Offizier bleiben, ohne den soldatischen Beruf