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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 170

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 170 (sequence 32)
Language
German
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170 lassen; aber durch langgedehnte drei Akte klammert sich Fanny doch wie ein Heilbronner Kätchen an ihren immerhin wenig ritterlichen Ritter, und das Mitleid des Dichters befindet sich fast eben so sehr bei den schwankenden Fedor, wie bei der wahrhaft unglücklichen Fanny. So ist denn eine gewiß interessante, aber ebenso gewiß undramatische Erörterung entstanden, und das Mitleid, das der Dichter offenbar beiden Parteien entgegenbringt, vermag er seinem Publikum nicht auszuzwingen. Das würdelos Schwankende, das zugleich Weichliche und Brutale in Fedors Wesen wirkt auf die Dauer allzu abstoßend, und dem Mädchen gegenüber hat es Schnitzler einigermaßen offen gelassen, ob man es hier mit einer zeitlebens Unglücklichen oder doch wohl leicht zu Tröstenden zu tun habe. Eine ähnlich peinliche Gefühlsverwirrung hinterläßt das zweite Drama, das der Dichter um eine „Frage" herum baute. Ins Zentrum des „Freiwilds" stellte er das vielbehandelte Duellthema, und auch hier läßt er nicht nur in der Charakterzeichnung beiden Parteien Gerechtigkeit widerfahren, sondern verwirrt durch die offenkundige und qualvolle Unentschiedenheit der eigenen Meinung. Der Titel des Stückes ist wieder so vieldeutig, wie der des vorigen. Dort handelte es sich um das Märchen von den Gefallenen, auch um das Märchen von den Erhobenen und vor allem um das Märchen von der Ausrottbarkeit eingewurzelter- Meinungen und Skrupel. Diesmal zielt der Dichter mit seinem Titel auf die Schauspielerinnen kleiner Bühnen, die das Freiwild jedes Begehrlichen sind, auf den Mann, der dem Ehrenkodex der Gesellschaft unterstellt ist und durch ihn unter Umständen zum Freiwild jedes Niederträchtigen wird, in letzter Linie und vielleicht hauptsächlich wiederum auf alle die, denen überkommene und eingewurzelte Anschauungen, so sehr ihr Herz und ihre Vernunft daran rütteln mögen, einen sinnlosen Weg vorschreiben. Schnitzler schildert, was ungemein oft vor ihm und nach ihm beschrieben worden ist: das Thcaterelend. Der Direktor der kleinen Bühne zwingt seine Schauspielerinnen geradezu, sich an die Offiziere und Lebemänner des Kurortes fortzuwerfen; denn so

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