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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 169

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 169 (sequence 31)
Language
German
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169 Manne, wonach das übliche Gerede von den Gefallenen ein böswilliges Märchen darstellt. „Es ist Zeit," sagt er ein wenig poinpös, „daß wir es aus der Welt schaffen, dieses Märchen von den Gefallenen . . . Denn wir haben kein Recht, Unnatürliches zu fordern und für Natürliches zu strafen." Aber während fein malender Freund Robert Well mit völligem Gleichmut und mit Selbstverständlichkeit diese Theorie in Praxis umsetzt, ist Fedor selbst darin um vieles schwerfälliger. Schon ehe er die Probe auf sein Exempel begonnen hat, fühlt er Bedenken. Er weiß, noch überall lauert „die gewisse banale Verachtung für das Mädchen mit dem zweifelhaften Ruf". Melleicht wird ihm solche Verachtung das Leben vergällen, indem ne ansteckend auf sein feines und schwaches Gefühl einwirkt. „Noch immer, in irgend einem Winkel unseres Verstandes kauern diese alten sterbensmüden Ideen . . . nur ein Hauch braucht uns anzuwehen aus dieser kindischen Welt, die wir ja alle verachten — und schon regt es sich wieder in diesem Winkel . . . und diese alten Ideen werden wieder frech, lebendig und jung." Trotz seiner Erkenntnis ist Fedor nun weder tapfer genug, den Kampf mit den sterbensmüden Ideen ernstlich durchzufechten, noch aufrichtig genug, um einem Ringen, dem er nicht gewachsen, von vornherein fernzubleiben. Er geht das Bündnis mit Fanny ein, peinigt die Geliebte mit seinen endlosen Klagen über ihre Vergangenheit aufs grausamste und stößt sie endlich doch wieder von sich. Dabei ist sein Ehrbegriff um kein Haar minder äußerlich, als der des Leutnants Gustl. Er belügt sich selbst, wenn er annimmt, er komme über Fannys Vergangenheit an sich nicht weg, wenn er pathetisch ausruft: „Es ist am Ende der Welt, wie hier — was war, ist!" Was ihn so quält, ist einzig jene banale Verachtung der anderen, die um Fannys Vorleben wissen. Könnte er das alles vor der Welt auslöschen, so wie ein Zufall Gustls Makel der Welt für immer unterschlägt, so würde er ebenso froh an Fanny festhalten, wie Gustl an seinem eben noch hingeworfenen Leben. Nun hat Schnitzler freilich am Ende das Mädchen zu einer Art Nora-Handlung gelangen

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