Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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165 kommt Gustl wieder zur Besinnung. Er ist beschimpft worden von einem satisfaktionsunfähigen Menschen, hat es verabsäumt oder nicht vermocht, den Gegner sofort niederzustechen — nun gibt es nur einen Weg zur Reinigung der bemakelten Ehre: den Selbstmord. Es steht bei Gustl sogleich fest, daß dies seine letzte Nacht sein muß. Denn Offizier kann er doch nun nicht mehr bleiben, und zu einem Leben auf anderem Posten taugt er nicht. Zwar hat ja kein Mensch die leise gesprochene Beleidigung gehört. Aber was würde das ändern? „Ich weiß es doch, und das ist die Hauptsache! Ich spür', daß ich jetzt wer anderer bin als vor einer Stunde — ich weiß, daß ich satisfaktionsunsähig bin, und darum muß ich mich totschießen." Und daß sich der Bäcker nachträglich seiner Tat rühmen, daß also Gustls Schande doch noch ans Licht kommen wird, ist ja auch gewiß, bleibt zum mindesten immer zu befürchten. So heißt es denn ein Ende machen. Und nun durchlebt Gustl genau das, was Felix durchlitt. Aber der Leutnant hält sich doch besser. Wohl kann er Schaudergefühle von Zeit Zu Zeit nicht unterdrücken. „Wie? Zähneklappern? Oho! Na, lassen wir's nur ein bißl klappern . . . Herr Leutnant, Sie sind jetzt allein, brauchen niemandem einen Pflanz vorzumachen ... es ist bitter, es ist bitter". Aber der tapfere Junge würgt doch, wie er so in feiner letzten Nacht den Prater durchirrt, die Angstgefühle immer wieder herunter. Man kann das Pose nennen, doch auch wohl Heldentum. Sprunghaft durchstürmt Gustl noch einmal sein ganzes Leben. Gegen Morgen begibt er sich heim, um sieben Uhr will er sich erschießen. Aus einer Kirche tönt die Orgel, und der Todeskandidat tritt ein: „Am End' ist doch was dran . . Na, heut nach Tisch werd' ich's schon genau wissen." Aber die Musik, die ganze Umgebung stimmt ihn zu weich, und er will Haltung bewahren. Nun nur noch eine Taste Kaffee, dann wird er's tun. Da erzählt ihm der Kellner, den dicken Bäckermeister, den Stammgast und Semmellieferanten des Kaffees, habe gestern gleich nach dem Konzert der Schlag gerührt. Er war