Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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164 Freilich, in einer Bank ist er, und der schwarze Schnurrbart. . . Na ja, wer hat's Geld?" Die Juden ärgern Gustl noch ein paarmal im Laufe des Abends. Es sitzen so viele im Konzert, und zu Offizieren werden auch ziemlich viele befördert, allem Antisemifismus zum Trotz. Daneben ärgert er sich über die Sozialdemokraten. Gewiß ist auch sein morgiger Duellgegner solch ein Roter. „Herr Leutnant, Sie werden mir doch zugeben, daß nicht alle Ihre Kameraden zum Militär gegangen sind, ausschließlich um das Vaterland zu verteidigen." Wenn diese freche Bemerkung nicht blufige Sühne fordert! Gewiß, Gustl ist in die Kadettenschule gekommen, weil er im Gymnasium nicht guttat, aber wie ist er nun auch mit Leib und Seele Offizier! Freilich, was ihn begeistert, ist der bunte Rock, ist das aufregende schöne Schauspiel eines Manövers, einer Parade, ist Äußerliches — aber es begeistert ihn doch. Noch ehe das Konzert zu Ende ist, kennt man den jungen Leutnant vollkommen, er ist kein guter und kein schlechter Mensch, er ist nicht mehr und nicht weniger als ein großer Junge, der genau das liebt und das haßt, was seine Umgebung achtet oder mißachtet, der aber ein tüchüges Stück unverbrauchter Kraft des Liebens und Hassens all diesen ungeprüft übernommenen und äußerlich aufgefaßten Dingen entgegenbringt. So ist er Juden- und Sozialistenfresser, so leidenschaftlicher Soldat, ohne eigenüich über Judentum oder Sozialismus oder Offiziersstand ernstlich nachgedacht zu haben; so füllt er seine Zeit mit Spiel und zweifelhaften Weiberaffairen aus, ohne sich eines niedttgen Lebenswandels bewußt zu sein. Beim Schluß des Konzerts ist Gustl sehr nervös; er benimmt sich in der Garderobe wenig höfiich, gerät in Streit mit einem dicken Bäckermeister, den er oft im Kaffeehaus sieht, läßt sich zu einem „halten Sie das Maul!" Hinreißen. Da legt der Dicke plötzlich seine Hand auf Gustls Säbelgriff. „Herr Leutnant, wenn Sie das geringste Aufsehen machen, so zieh ich den Säbel aus der Scheide, zerbrech' ihn und schick' die Stück' an Ihr Regimentskommando. Verstehn Sie mich. Sie dummer Bub?" Erst auf der Straße