Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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161 bei dem zeitlich nicht übermäßigen Umfang des deutschen Novellenschaffens darf ich Wohl auch dies ohne Prahlerei und Phrase aussprechen: daß sich Arthur Schnitzler mit seinen Schöpfungen „Sterben" und „Leutnant Gustl" zu den Meistern der deutschen Novelle überhaupt, zu den Kleist und Meyer, den Keller und Heyse gesellt hat. Wie jeder immer dort und einzig dort ein Bestes leisten kann, wo er ein Eigenstes gibt, so hat auch Schnitzler in diesen beiden Meisterstücken sein innerlichstes Thema angeschlagen und vom Lebensverlangen gehandelt, das der Tod auspeitscht. Die Novelle „Sterben" entstand dicht nach dem „Anatol"-Zyklus und wiederholt teilweise seine Gestalten und ganz seine Gruppierung. Aus Anatol und Max sind Felix und Doktor Alfred geworden, zu ihnen tritt (diesmal leibhaftig und nicht nur in Anatols schwärmettschen Schilderungen) das süße Mädl in seiner besten Art: als hingebungsvolle, anhänglich bescheidene Geliebte. Aber widerum stimmt auch der „Anatol"-Vergleich nur teilweise. Man könnte sagen: Felix war Anatol, Alfted war Max bis zum Beginn dieser Handlung. Nun ist aus dem ttagikomischen Leben ein tragisches geworden, nun haben sich die erttäglichen und interessanten Leiden des Glücksuchers in den brutalsten Schmerz verwandelt, und solcher Verzweiflung gegenüber legt denn auch der robustere Freund seine zynische Maske ab und offenbart ein tüchttges, zugleich männliches und weiches Wesen. Felix ist brustkrank, und ein fremder Arzt hat ihm auf sein Drängen verraten, was Alfted immer verheimlichte — daß das Ende unausbleiblich und nahe ist. Die Qualen des bewußt letzten Jahres eines jungen Lebensdurstigen füllen das Buch. Indem Schnitzler alles das verschmäht, was er für posiertes Heldentum, für gefälschte Psychologie ansieht — mit der Berechtigung aber doch wohl nur für seine Gestalten, die zerrissenen, zweifelnden, unheitlichen, unheldischen —, indem er wieder gleichzeitig die Kunst des Arztes und des Seelenforschers aufbietet, malt er das furchtbarste, grenzenlos erschütternde Bild monatelanger Todesqual, in der ein kurzes Aufil