Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Arthur Schnitzler
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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157 „Scherz" ein und überhäuft den Mann nach seinen paar nebensächlichen Worten mit stürmisch heiterem Beifall. Eine Stunde nach dieser Auszeichnung findet man den Unglücklichen in seiner Garderobe erhängt. Sehr viel unmittelbar Persönliches Empfinden liegt auch gewiß einer Novelle zugrunde, in der der Dichter scheinbar fremdes Gebiet, als Nachahmer E. T. A. Hoffmanns etwa, betritt. Er schildert einen Grauen — genauer: Furcht vor dem Unerklärlichen — erregenden Vorfall, das Eintreffen einer grotesk bis ins Einzelne gehenden Weissagung, ohne die verstandesmäßige Lösung des Rätsels zu geben, ja mit schließlicher Unterstreichung des unerklärlich Gespensterhasten. Bedenkt man, wie tief Schnitzler die Unsicherheit des menschlichen Wissens, das Schwanken der Grenze zwischen Traum und Wachen fühlt, wie sein Empfinden und Denken zum Tod und dem dahinter liegenden Ungewissen geführt wird, wie ihm jedes „Ich glaube" und „Ich glaube nicht' gleich fern liegt — so wird man in der absonderlichen Phantastik der „Weissagung" eine Art wollüstigen Wühlens in der eigenen Unsicherheit, dem eigenen Bangen des Dichters sehen. Auch scheint mir ein kleiner, in Schnitzlers Werken häufig wiederkehrender Umstand darauf hinzuweisen, daß es sich hier um mehr als Uebung und Spielerei, daß es sich eben um Persönliches handle. Die Geschichte baut sich derart auf. Die Offiziere einer kleinen polnischen Garnison werden von der furchtbaren Monotonie ihres Lebens gepeinigt. Einmal lädt man zur Vertreibung der Langeweile einen Taschenspieler und „Zauberer" ins Kasino. Der führt seltsame Experimente vor, prophezeit einem Offizier den Tod für den nächsten Herbst und zaubert endlich dem Helden der Novelle das Bild einer seltsamen Situation vor den inneren Blick. Der junge Leutnant sieht sich um zehn Jahre gealtert, mit Vollbart und Narbe, auf einer fackelumstellten Bahre im Wald liegen, umgeben von entsetzten Menschen, die ihm bis auf Kleidung und Haarfarbe deutlich vor Augen stehen. Das nächste Jahrzehnt bedeutet danach für chn einen ständigen Kampf gegen die Möglichkeiten dieses Schicksals, und dennoch bereitet