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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 155

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 155 (sequence 17)
Language
German
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155 Mehrfach, in den Sammelbänden „Die Frau des Weisen", „Die griechische Tänzerin" und „Dämmerseelen", ist dem Dichter die Novelle nur das Schubfach sirr das Nebenbei, die Vorbereitungen und Ueberreste seines umfassenderen dramatischen Schaffens. Bisweilen gilt auf diese Dinge wohl das Wort, mit dem Paul Heyse seine Genrebilder in Versen gleichsam entschuldigt: Ein alter Pinsler kann nicht müßig bleiben. Und malt er nicht, so mutz er Farben reiben Und sie probieren auf der Leinewand. Solch ein nicht allzu tiefgreifendes Probieren im Scherz und im Ernst sind etwa „Exzentrik" und „Andreas Thameyers letzter Brief". „Exzentrik" wirkt wie ein leichter, minder seelenvoller Anklang an die Anatolszenen: dem kühleren Freund wird ein nur komisches Liebesabenteuer erzählt, in öem der Betroffene auf höchst merkwürdige Nebenbuhler stößt, als Zwerg, Riese und Clown vom Variststheater. Der „letzte Brief" enthüllt die rührende Verbohrtheit eines Mannes, der durch freiwilligen Tod die Ehre seiner Frau wiederherstellen möchte. Mit Scharfsinn und Gelehrtheit sucht der geistig Verwirrte den Beweis zu erbringen, daß er sehr wohl selber der Vater seines — schwarzen Kindes sein könne. Einen ernsteren Gang, ohne deshalb doch schon mit ganzer Seele bei der Sache zu sein, unternimmt Schnitzler im „blinden Geronimo". Er erzählt nach dem altitalienischen Rezept eine richtige Novelle, einen eigentümlichen und neuen Vorfall, er lauscht dem Geschehnis als moderner Dichter sein seelisches Werden ab, aber er hat nicht eigentlich persönliche Beziehungen zur Sache, ist nur der Beobachtende. Als Knabe, im unvorsichtigen Spiel, hat Carlo seinen Bruder um das Augenlicht gebracht. Seitdem lebt er ganz für den blinden Geronimo. Aufopferung, Reue, Liebe füllen ihn aus. Die Brüder ziehen in den Gasthäusern der südlichen Alpen umher; Geronimo singt. Carlo führt chn und sammelt das Geld ein. Allmählich regt sich in dem Blinden ein Mißtrauen,

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