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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 151

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 151 (sequence 13)
Language
German
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151 des Buches, bringt eine völlige Beichte in dieser Hinsicht. So wie Schnitzler seine Vorliebe für das Kranke gerad heraus bekennt, so auch seine immer träumerische und oft narkotische Hingabe an die Stimmung. Für Anatol „löst sich das Rätsel der Frau in der Stimmung", er braucht „Halbdunkel . . grünrote Ampel . . Klavierspiel" . . . „Und das macht mir das Leben so vielfältig und wandlungsreich, daß mir eine Farbe die ganze Welt verändert . . Ihr tappt hinein in irgend ein Abenteuer, brutal, mit offenen Augen, aber mit verschlossenem Sinn, und es bleibt farblos für Euch! Aus meiner Seele aber, ja aus mir heraus blitzen tausend Lichter und Farben darüberhin, und ich kann empfinden, wo Ihr nur — genießt!" Den Einwand, daß diese Art zu empfinden, dieses Aufgehen in der Stimmung doch eigentlich ein Verschleiern, ja fast ein Verneinen des wirklichen Lebens bedeute, erhebt Schnitzler vorderhand noch nicht. Wie er ja hier überhaupt nur erst mit der Wünschelrute nach seinen tiefften Quellen spürt. Will sich Anatol einmal ans ernstliche Bohren begeben, so zwingt ihn der kalte Witz seines Freundes Max zum Weüerschlendern, oder ein buntes und lächerliches Geschehen reißt ihn fort. Und so trefflich hat es Schnitzler verstanden, allen Ernst und alles Leid unter kalt witzigen und rein komischen Elementen zu verbergen, daß eben die Mehrzahl der Leser geneigt ist, in den „Anatol"-Szenen durchaus ftivole Spielereien zu sehen. Bezeichnenderweise bevorzugen denn auch die Bühnen besonders eine der beiden Szenen, in denen Schnitzler das wirkliche Leiden seiner Helden ganz zurückgedrängt und nur die komische Seite seines Umhertastens meisterlich herausgearbeitet hat. Ich meine das vielgespielte „Abschiedssouper". Anatol steht wieder einmal im Begriff, bei einem friedlichen süßen Mädl auszuruhen, vielmehr er hat diese Flucht schon vollzogen, nur daß er bisher seine Verbindung mit der Tänzerin Annie noch nicht lösen konnte. Nun will er ihr aber die Wahrheit sagen und sich in versöhnlich-festlicher Weise von ihr trennen. Er darf das unternehmen, da er sich ja mit Annie von

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