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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 147

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 147 (sequence 9)
Language
German
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147 II. Gelpräcbe. Der Erfolg eines Erstlingswerkes ist schon manchem teuer zu stehen gekommen. Man entwickelte sich ein tüchtiges Leben lang weiter, schrieb tiefere, reifere Bücher und blieb doch der Dichter von „Waldmeisters Brautfahrt". Ganz so schlimm ist es nun Schnitzler nicht ergangen, aber immerhin ähnlich. Für viele Menschen ist er noch heute schlechthin der „Anatol"- Dichter. Das wäre noch garnicht so wenig, wenn diese vielen nur den „Anatol" richtig lesen wollten. Aber sie sehen in den sieben Szenen nur die französische Grazie des Wortgeplänkels, sie empfinden nur das Spiel mit gewagten Themen, haben nur für die ironischen Töne darin Ohr, klammern sich nur an die beiden völligen Satyrspiele „Abschiedssouper" nnd „Hochzeitsmorgen" — und sind dann mit dem Urteil zur Hand, es handle sich um einen „österreichischen Maupassant", wobei sie mehr an Maupassants fabelhafte Geschicklichkeit in Ausdruck des Unsagbaren denken, als an das Ganze seiner Kunst. Tatsächlich hat man es aber mit keinem Nachahmer des Franzosen zu tun, sondern mit einem durchaus originellen Dichter, dem die Frivolität nur Maske ist, hinter der viel bitterer Ernst steckt. Anatol ist Schnitzler selber, der junge Schnitzler, dem noch alles Lebenssehnen ins rein Erotische mündet. Anatol ist belastet mit all der Grübelei, all dem zerlegenden Beobachten des eigenen Selbst und seiner Umgebung, die auf seinen Dichter drückt. Der hat dem schwärmerisch Sehnsüchtigen einen robusteren, kühl geistigen Freund beigegeben, den Vertrauten des klassisch - französischen Dramas, in gewissem Sinne vielleicht auch die andere Ich - Hälfte Schnitzlers, sowie man etwa aus Götz und Weislingen den ganzen jungen Goethe zusammensetzen kann. Zu diesen Gestalten treten nacheinanderdieFrauen,diejeweiligAnatols Phantasie beschäftigen, ihn beglücken oder quälen, ihm io*

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