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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 140

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Arthur Schnitzler
Date
1911-01-01
Page
Seite 140 (sequence 2)
Language
German
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140 bald als roher Peitschenschw'mger, bald als milder Fackelsenker, aber immer der Eine, der Tod. Arthur Schnitzlers Wesen ist zu reich, als daß es restlos aus einem Punkte zu erklären wäre; doch so viel anderes noch dieser seltsame, aus manchen typischen Eigenschaften zusammengesetzte und auch widerum ganz originelle Charakter enthält, sein Kern und Centrum ist die stete Gegenwart des Todesgedankens gewiß. „Warum reden Sie denn vom Sterben?" heißt es einmal im „Einsamen Weg." Und die Antwort lautet: „Gibt es einen anständigen Menschen, der in irgend einer guten Stunde in tiefster Seele an. etwas anderes denkt?" Von Anbeginn eine Dichternatur, also zur Betrachtung seelischer Zustände neigend und leidenschaftlich beglückt von aller Buntheit und Bewegung des Lebens, wird Arthur Schnitzler Arzt. Er tut in einem Hospital Dienst, und hat so hundertfache Gelegenheit, Menschen sterben zu sehen. Es braucht nicht jedesmal ein qualvolles Ende zu sein, auch das scheinbar sanfte Verlöschen macht auf ihn immer wieder den gewaltigsten Eindruck. Er weiß ja nicht, was der Sterbende empfindet, er glaubt in diesem Rätselpunkt nicht unbedingt an die Aussagen seiner Wissenschaft, er glaubt nicht an die Verheißungen irgend einer Religion, er weiß nur, daß er nichts weiß. Dies schauernde Tasten wird ihm auf der Höhe seines Schaffens (im „Schleier der Beatrice) die wunderbaren Verse eingeben: Nur mit den armen Worten der Gewohnheit Kennt unser Mund das Ewig-Unbegriffne; Und so wie jene, die im Glanz des Lebens Aufleuchteten, uns ist der letzte auck. Bevor er kommt, nichts als ein Augenblick. Doch was er birgt an Ungeheuern Schrecken, Ob wir in tausendfacher Kraft und Qual Das abgelebte Dasein neu durchfliegen, * Ob nicht ein neues kommt, ein.ungeahntes — Ob uns im freigewählten Hingang nicht So nutzlos schmerzensvolle Sehnsucht anfällt. Ins Licht zurückzukehr'n, daß alle Pein. Die wir jetzt denken können, uns erscheint. Wie Hauch der Lüfte. — Niemand hat's erzählt.

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