Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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107 machen lassen, nicht immer in ihrer wahren Bedeutung würdigt. Unmittelbar nach seinem Hinscheiden hatten die berufensten Beurteiler sie und ihren Schöpfer in vollem Umsange anerkannt. „Seit dem großen Mendelssohn", sagte am 10. Januar 1890 Rabbiner Ignaz Bock, der Redakteur des „Ungarischen Israeliten", „hat das Judentum keinen hervorragenderen Mann besessen, als der jüngst von uns geschiedene Ludwig Philippson gewesen. Diese beiden glanzvollen Namen sind von allen Söhnen Israels gekannt, und ihr glorreiches Andenken bleibt dem jüdischen Stamme erhalten bis in alle Ewigkeit " — Und Rabbiner Dr. Rahmer in der „Israelitischen Wochenschrift" vom 9. Januar 1890: „Ludwig Philippson — tot. Der Mann, der das deutsche Judentum der Gegenwart am lebhaftesten gefördert hat, hat für immer seine Augen geschlossen. Es gab in Deutschland keinen, der wie er die Fackel des jüdischen Gedankens in alle Kreise getragen hat, keinen, der so unerschrocken und unermüdlich für Juden und Judentum ständig das Wort erhoben hat. Unzählige seiner Glaubensgenossen sind durch ihn aus der Wüste des Aberglaubens und des Formeldienstes in das Land der Erkenntnis geführt worden; dabei hatte er, wie es bei einem Dichter natürlich ist, eine tiefe Empfindung für das Gemütvolle und Innige des alten jüdischen Lebens. Dieser Mann ist ein großer Segen für die gesamte Judenheit gewesen". Wir begreifen solche Bewertung Ludwig Philippsons von Seiten aller Parteien, wenn wir seine schwärmerische und doch stets tatenfrohe Begeisterung für das Judentum erblicken. Keiner hat, wie er, das Banner der vieltausendjährigen mosaisch - prophetischen Gotteslehre hoch gehalten in allem Lärm und Staub des unaufhörlich wogenden Kampfes. So endete er eine seiner Jahresübersichten — 1842 — mit den wie Prophetenrus ertönenden Worten: „Wohlan! Treten wir in das neue Jahr mit altem Eifer, mit bewährtem Mute, mit nicht zu hoch gespannten Erwartungen, aber mit unverminderter Zuversicht! Lafiet .'V