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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 106

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Ludwig Philippson
Date
1911-01-01
Page
Seite 106 (sequence 23)
Language
German
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106 langer Jahre entsandte. Diese Bestrebungen können uns an dieser Stelle nicht eingehend beschäftigen, aber ich erwähne sie, um eine Vorstellung von seiner außerordentlichen Arbeitsfülle zu geben, die um so bewundernswerter ist, je zarter seine durch wiederholte schwere Krankheiten unterwühlte Konstitution war. Als überzeugter Anhänger aller freisinnigen und humanen Richtungen, trat er besonders ein zugunsten der Armen, Niedrigen, Schwachen, und lange vor dem Aufkommen des Staatssozialismus hat er in der preußischen Provinz Sachsen die Gründung von allgemeinen Hilfskassen für Arbeiter und Handwerker gefördert und ausgeführt. So verknüpfte er beständig das Judentum mit den großen Bestrebungen der zeitgenössischen Zivilisation und suchte diese letztere mit dem eigensten Wesen unserer Religion in Einklang zu bringen. Diese Universalität des Denkens, diese fortwährende, gewollte Verschmelzung des Judentums mit allem was die Größe und den Fortschritt unserer Gegenwart ausmacht, ist ein charakteristischer und, man darf es sagen, ganz einziger Vorzug in der Anschauungs- und Handlungsweise Philippsons. Er allein in seiner Generation hat den Weg des sozialen Wirkens gezeigt, den heutzutage die besten und einsichtigsten Israeliten eingeschlagen haben; er hatte die Aufgabe der nächsten Zukunft instinktiv erkannt. Da nach seiner Ansicht die israelitische Religion dazu bestimmt war, der Menschheitsglaube zu werden, so meinte er, daß ihr nichts Menschliches fern bleiben dürfe. Diese seine Eigenart erklärt auch den tiefen Eindruck, den er auf die Judenheit ausgeübt und der die ganze Richtung unserer Bestrebungen umgewandelt hat. Seine Bemühungen entsprachen so sehr der Sachlage, daß sie sich unmerklich verwirklichten; einmal von unseren Glaubensgenossen angenommen, erschienen seine Ideen als ganz natürlich und notwendig, und gerade dies erklärt zum großen Teile die Tatsache, daß man heute die Größe der Fortschritte, die er die Israeliten nicht nur in Deutschland sondern, man darf es sagen, überall hat

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