Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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mehr rückschrittlichen Richtung des Zaren gescheitert sind. Bei dem Regierungsantritt des edlen und freisinnigen Alexander II. veröffentlichte Philippson in den hervorragendsten Zeitungen Europas eine sehr eingehende, geschickte, durchaus auf die Tatsachen begründete Denkschrift über die Lage der Juden in Rußland, die auf den jungen Kaiser eine vorzügliche Wirkung übte. Als später die Reaktion sich Alexanders bemächtigte, bereitete Philippson eine umfassende Auswanderung der russischen Juden vor, und nur das zeitliche Zusammentreffen mit dem Ausbruche des deutsch-ftanzösischen Krieges brachte diese Bewegung zum Stillstände. Anderseits verhandelte er mit der Regierung und den Cortes Spaniens wegen der Rückkehr der Israeliten in die Pyrenäenhalbinsel, wo sie einst eine höchst ruhmvolle Rolle gespielt hatten. Dann vereinigte er 86 deutsche Rabbiner zu einer Verwahrung bei dem Papste Pius IX. gegen die gewaltsame Taufe des jungen Mortara. Zur Seite Montefiores und Crsmieux' kämpfte er gegen die schändliche Anklage des Ritualmordes, die im Jahre 1840 auf den Juden von Damaskus lastete. Er half den Rothschild in Paris bei der Gründung eines israelitischen Hospitals in Jerusalem. Er war der erste, der den Gedanken faßte und aussprach, die Juden des Orients durch ein ausgedehntes Netz von Schulen zu zivilisieren — ein Gedanke, dessen Ausführung später die Alliance israölite unternommen hat; er machte zahlreiche Reisen, um diese heilsame Absicht zur Verwirklichung zu bringen. Kurz, sein Mut, seine Originalität, seine Tatkraft, seine unermüdliche Tätigkeit zeigten sich immer bereit, wenn es sich darum handelte, seinen Glaubensgenossen, auch in den entfernten Weltteilen, Dienste zu leisten. Ich übergehe hier den Anteil, den er an den politischen Bewegungen in Preußen und Deutschland genommen hat, und zwar stets im Sinne eines entschiedenen aber gemäßigten und durch die geschichtliche Erfahrung geleiteten Freisinnes, sowie seine Bemühungen zugunsten der Stadt Magdeburg, in deren Stadtverordnetenversammlung ihn das Vertrauen seiner Mitbürger während