Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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103 dem Erfolge zweifeln mußte, wollte er wenigstens das öffentliche Gewissen aufrütteln, inner- und außerhalb der Judenheit das Bewußtsein schärfen für das Märtyrertum, das immer noch über die Söhne Israels verhängt ist. Das stete Ringen, das Wirken und Streiten für die gute Sache war ihm Herzensbedürfnis: „Doch was der höchste Lohn? Es ist die Arbeit selbst! Das Mühen, Ueberwinden, Das Suchen und das Finden, Der Kampf nur ist die Lust!" Nur die wichtigsten von seinen politischen Bemühungen seien erwähnt. Er vereinigte hunderte von preußischen Gemeinden zu einer Bewegung unwilligen Protestes und verhinderte so, im Jahre 1842. den „Romantiker auf dem Throne" Friedrich Wilhelm IV., die Juden von: Heeresdienste auszuschließen und ihnen damit einen Schimpf anzutun, der sie aus dem Bürgertum gestoßen, vom Vaterlande losgerissen und sie unter die Fremden verwiesen hätte. Er, und nur er bewog 1866 mehr als dreihundert preußische Gemeinden, das Abgeordnetenhaus mit gemeinsamen Petitionen gegen den Vorschlag Wagener auf Abschaffung des Z 12 der Verfassung zu bestürmen, der, wenigstens in der Theorie, die Gleichberechtigung der Religionsbekenntnisse im Staate verbürgte. Dieser Petitionssturm, sowie die beredten und wohlbegründeten Artikel, die Philippson damals in den angesehensten Zeitungen veröffentlichte, verhinderten die Kammer, trotz ihrer sonstigen durchaus reaktionären Gesinnung, die gesetzliche Gleichberechtigung zu vernichten. Nach dem Kriege von 1866 vereinigte er abermals dreihundert preußische Judengemeinden, um zuerst vom Ministerium und dann vom Norddeutschen Reichstage die Beseitigung aller der Schranken zu fordern, die den Israeliten noch den Zutritt zu deu öffentlichen Aemtern verschlossen. Das Ergebnis dieser Bemühungen war das Bundesgesetz