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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 102

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Ludwig Philippson
Date
1911-01-01
Page
Seite 102 (sequence 19)
Language
German
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102 zahl aber viel zu klein sind, ohne irgend eine Verknüpfung, ohne jede Zusammengehörigkeit. PhiliPPson begriff vollkommen die verderblichen Folgen dieser Zersplitterung in Lehre und Leben und suchte sie durch einen freiwilligen Zusammenschluß zu beseitigen: zuerst auf den vier auf seine Veranlassung einberusenen Rabbiuerversammlungen in Braunschweig (1844), Frankfurt anr Main (1845), Breslau (1846) und Kassel (1868), dann auf der Synode in Leipzig (1869). Es ist wahr, alle diese ernstlich gemeinten Bestrebungen scheiterten am Parteigeist und, sagen wir es offen, an der Selbstsucht, der Eitelkeit und den Intrigen einflußreicher Persönlichkeiten. Aber es blieben doch Anregungen, die für die Weiterentwickelung des Judentums und des jüdischen Gemeindelebens von Bedeutung wurden. In seinem Alter hatte Phllippson die Genugtuung, an der Gründung des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" tätigen Anteil zu nehmen, der dazu bestimmt war und ist, nach Möglichkeit die Lücken auszufüllen, die das Staatsgesetz mit Absicht in der Organisation der israelitischen Gemeinden hat bestehen lassen. Man personifiziert gewöhnlich den Kampf für die politischen Rechte der Juden in Deutschland während des mittleren Telles des 19. Jahrhunderts in dem Namen Gabriel Rießers- Ohne in irgend einer Weise die hohen Verdienste dieses Mannes herabsetzen zu wollen, der sich ebenso durch seinen edlen Charakter und seine Opferwilligkeit für das Judentum, wie durch seine politische und literarische Begabung auszeichnete, müssen wir doch mit Nachdruck auch auf die unschätzbaren Dienste Hinweisen, die PhiliPPson während seiner langen Laufbahn der Sache der Gleichberechtigung der Juden in der ganzen Welt und besonders in Preußen geleistet hat. Sein glühendes Gerechtigkeitsgefühl, sein Haß gegen Gewalt und Unterdrückung waren es, die neben der innigen Liebe zu seiner Glaubensgenossenschaft, ihn immer wieder an die Spitze der Kämpfer für deren Rechte und Anerkennung führten- Selbst wo er von vornherein an

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