Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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100 giosität und Adel aufweisen, den Israel. inmitten der Unglücksfülle, der Demütigungen und Leiden bewahrt hat. Dahin zielen seine zahlreichen Novellen, seine Dramen und historischen Romane. Zur Seite aber dieser Schöpfungen entstanden die „Jüdischen Mährlein", aus den eigensten Lebensquellen unserer Glaubensgenossenschaft mit inniger Sympathie geschöpft und in herzgewinnendem, einfachem, von Humor getränktem Tone erzählt, in ihrem liebenswürdigen Reize bisher unübertroffen. Es ist hier nicht der Ort, im einzelnen die zahlreichen dichterischen Schöpfungen PhilipPsons aufzuzählen; einige von ihnen, wie das Trauerspiel Esterka, das in Deutschland wie in Polen noch jetzt aufgeführt wird, und wie die Romane Jakob Tirado und Sepphoris und Rom, gehören zu den guten Erzeugnissen der deutschen Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Es kommt uns vor allem darauf an, auf die ungeheure Wirkung hinzuweisen, die diese Schriften auf die israelitische Masse ausgeübt haben, in den östlichen Ländern noch mehr als in Deutschland selbst. Alle diese unterdrückten, mißhandelten, leidenden Gemeinschaften fühlten sich erhoben, ermutigt, mit neuer Hoffnung erfüllt durch die ruhmreichen und glänzenden Erinnerungen, die die dichterische Begeisterung und Einbildungskraft PhilipPsons ihnen vorzauberte. In viele Sprachen, besonders aber ins russische, polnische und hebräische übersetzt, leben die besten Erzeugnisse seiner Muse noch heute inmitten der Israeliten. Sie haben ihrerseits zur Erhaltung und Wiedergeburt des Judentums in tausenden von. Herzen und Geistern mehr getan, als alle tiefgründigen Abhandlungen und philosophischen Betrachtungen der Gelehrten und selbst als die von schwerer, dumpfer Ghettoluft erfüllten Erzählungen und Romane, so ausgezeichnet sie auch in literarischer Hinsicht sein mögen, von Kompert und Bernstein. Philippson hat stets die Bedeutung der Dienste erkannt, die die Literatur, sowohl die dichterische wie die gelehrte, der jüdischen Sache leisten konnte und sollte. Schon im Jahre 1843 faßte er den Plan, ein „Institut