Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 16)
- Language
- German
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Er besaß eine durchaus künstlerische Natur, fühlte sich zu allenr Schönen und Edlen hingezogen und verband mit lebhafter Einbildungskraft eine angeborene Leichtigkeit, Psychologische Eigenart aufzusassen und darzustellen — alles dies erhellt und geleitet von Allgemeinheit des Wissens und von Liebe zu Israels Religion und Geschichte. Er wurde ein Neuerer auch auf dem Boden der Novelle und des Romans in Israel. Seine starke Persönlichkeit goß in die Menschen seiner belletristischen Schöpfungen nicht nur sein eigenstes Herzblut, sie machte sie auch zu Verkündern seiner eigenen hellen und freudigen Lebensanschauungen. Sie alle sprechen und handeln im Sinne des Optimismus, des sicheren Sieges des Guten in der Welt. Und wenn sie äußerlich unterliegen, so triumphiert noch in ihrem Untergange und Tode die hohe Idee, für die sie willig als Opfer fallen. Seine begeisterte Liebe zur Natur, der herrlichen Gottesschöpfung, zum Einzelmenschen und zur ganzen Menschheit, die zu sonnenhafter Entwickelung bestimmt ist, durchdringt belebend und erfrischend seine Dichtungen, die mit den leuchtenden Farben eines reichen kulturgeschichtlichen Wissens ausgestattet sind. Während unter dem beherrschenden Einfluß von Berthold Auerbachs „Dorfgeschichten" die übrigen jüdischen Novellen- und Nomanschreiber sich niit der Schilderung des sehr rührenden, aber keineswegs die Seele des modernen Juden ermutigenden Ghettolebens beschäftigten, zog Phllippson es vor, die großen Zeiten und die Heldentaten Israels zu verherrlichen und die Vergangenheit des Judentums mit dem Glanze der Dichtkunst zu umgeben. Auch auf diesein Gebiete liebte er, sein Israel in die Mitte der großen Bewegungen der Menschheit zu stellen, darzulegen, daß seine Religion keineswegs die einer Rasse, eines Volkes, sondern vielmehr die schöne und große Weltreligion sei. Er wollte die Vergangenheit des Judentums wieder aufleben lassen, „nicht in der Monotonie der Elegie, des steten Jammers der Menschennatur, sondern im verklärenden Lichte des Heroismus"; er wollte den starken Grundstock von hoher Sittlichkeit, von Reli-