Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 2)
- Language
- German
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85 Schrift und philologisch - naturwissenschaftliche Abhandlungen von bleibendem Werte. Die Entscheidung fiel, als die israelitische Gemeinde zu Magdeburg den erst im zweiundzwanzigsten Lebensjahre Stehenden 1833 zu ihrem Prediger berief. Er nahm an — chamit war seine Lebensrichtung entschieden, und zugleich 1 konnte er durch die Verehelichung mit Julie Wolfs, der sein jugendliches Herz mit voller Glut ergeben war, seinen Hausstand begründen. Die Gattin ist ihm nach wenigen Jahren glücklicher Ehe entrissen worden. Er hat dann in Mathilde Hirsch eine zweite Gemahlin gesunden, die, mit innigster Liebe und voller Verehrung ihm zugetan, bei all' seiner Kränklichkeit, bei später sich in drei Jahrzehnten bis zu fast völliger Blindheit entwickelnder Augenschwäche ihm die hingebendste, verständnisvollste, selbstloseste Gefährtin und Stütze geblieben ist. Während beinahe dreißig Jahren hat Philippson sein Amt in Magdeburg verwaltet, bis schwere Krankheit ihn 1862 zwang, seine Entlassung zu nehmen und sich nach der damals kleinen, ruhvoll gelegenen, mit mildein Klima und gesunder Luft begabten Universitätsstadt Bomr zurückzuziehen. Hier, im gartenumgebenen Häuschen, mit der Aussicht auf die herrlichen Höhen des Rheintales, gewann er einigermaßen seine Kräfte wieder. Trotz zarter Körperkonstitution, trotz der immer stärker ihn umhüllenden Blindheit setzte er auch in Bonn mit der ganzen Triebkraft seines freudigen Gemütes seine Tätigkeit fort, bis ihm, am 29. Dezember 1889, ein plötzlicher Tod die Feder, im wirklichsten Sinne, aus der Hand nahm. Ein Triumph des Geistes über die Schwächen der Materie! Trotz seiner entbehrungsreichen Jugend, trotz seiner vielfachen körperlichen Leiden war sein Gemüt bis zu seinem Ende ein im Grundton heiteres, allen Gütern des Lebens zugängliches. Eine innige Naturauffassung führte ihn, solange seine Kräfte es ihm erlaubten, alljährlich in die schönsten Gegenden Deutschlands __ und der Schweiz, und nichts stimmte ihn seliger, als rüstiges Wandern über Berg und Tal. Und so nahm er lebhaften