Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Ludwig Philippson
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ÄÄm 28. Dezember 1911 werden es hundert Jahre^ daß Ludwig Philippson in Dessau geboren wurde. Ich folge gern der Aufforderung des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, in dem „Jahrbuche" das Bild dieses Mannes und seines Wirkens für das Judentum und die Judenheit zu skizzieren. Gern und doch mit einigem Zögern: denn ist es die Sache des Sohnes, das Wesen und die Tätigkeit des Vaters zu würdigen? Allein gerade die Verehrung für sein Andenken muß mich veranlassen, nach Möglichkeit, ohne Ueberschätzung, die Wahrheit in der Wertung des Strebens und der öffentlichen Arbeit eines Mannes zu suchen, dem das Erforschen und die kühne Verfechtung der Wahrheit, auch in denjenigen Beziehungen, die ihm die wichtigsten und teuersten waren, als die heiligste Pflicht galt, als ein Ergebnis seines ganzen Wesens. Ludwig Philippson hatte eine harte Jugend verbracht. Sein Vater, Moses, ein rühmlich bekannter: jüdischer Gelehrter, wurde ihm schon im dritten Lebensjahre entrissen, und nur unter schweren Kämpfen und Mühen vermochte die tatkräftige und liebende Mutter das Nötigste für ihre Kinder zu beschaffen. Und doch hatten die beiden älteren Söhne den Mut, sich dem Studium zu widmen; der älteste, Phöbus, dem der Medizin, der zweite, Ludwig, dem der hebräischen Literatur, sowie der klassischen und der germanischen Philologie. Schon in den frühesten Jünglingsjahren veröffentlichte er seine ersten Arbeiten, die beiden Richtungen Rechnung trugen: Uebersetzungen einzelner Bücher der heiligen