Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Abraham Geiger
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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78 treten für die Gründung einer jüdisch - theologischen Fakultät als dringendster Forderung seiner Zeit. Es war nicht ohne sein Verdienst, wenn das erste jüdisch-theologische Seminar an der Stätte seiner Wirksamkeit entstand. Ihm selbst freilich war erst am Ende seines Lebens, 1872—1874, die Wirksamkeit an einer der freien Forschung gewidmeten Anstalt, der Berliner Hochschule, beschieden. III. Nicht geringer als in der Theologie und unumstritten ist Geigers Ruhm als Gelehrter. Die Richtung seiner Theologie als historischer wies ihn in das Gebiet der Wissenschaften, es war ihre Aufgabe, das Judentum in seiner geschichtlichen Entwicklung zu studieren und darzustellen. So ist Geiger ein Forscher geworden von großen Gesichtspunkten, von einer Sorgsalt und Genauigkeit, von einer Tiefe und Gründlichkeit, wie wir nur wenige haben. Vor allem aber zeichnet ihn eine erstaunliche Vielseitigkeit des Arbeitsfeldes aus; es gibt kaum ein Gebiet der jüdischen Wissenschaft, dem er seine Kraft nicht wenigstens vorübergehend gewidmet hat. 936 kleinere und größere Druckwerke von ihm — seine Zeitschriften bringen säst nur eigene Artikel — zählt die Bibliographie aus, und wenn auch davon etwa zweihundert als Briese in Abzug gebracht werden müssen, so bleibt doch ein solcher Reichtum des nach allen Seiten hin ausströmenden Segens, daß die Nachwelt allen Anlaß hat, mit Dankbarkeit daraus zu blicken. Geiger verfügte über eine ausgezeichnete philologische Schulung, war begnadet mit feinem kritischem Sinne und einer ausgesprochenen historischen Begabung. Seine Zeit war mit der Wiedererweckung des vergessenen oder nicht recht gewürdigten jüdischen Geisteslebens im Mittelalter beschäftigt, sie fand an ihm einen bereitwilligen wertvollen Mitarbeiter, der 2) Arn Schlüsse des genannten Werkes Seite 418—470.