Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Abraham Geiger
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111094-3114750--3772-3114845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
77 voll glühender Begeisterung von dem Eindruck des Unterrichts, den Geiger erteilte, besonders tief prägte sich die Mädchen-Konfirmation, die er einführte, ein. Seinen Ansprüchen entsprachen viele Reformen im Gottesdienst, mit denen er teilweise in Wiesbaden bereits begann, die er in den späteren Gemeinden weiter ausdehnte. Vor allem muß da die Bearbeitung des Gebetbuches hervorgehoben werden, die er zuerst mit sehr maßvollen Aenderungen für Breslau vornahm, später mit stärkeren Eingriffen in den überlieferten Text für Berlin wiederholte. Dem Ausgleich seiner Lehre mit dem Leben galten ferner die Rabbiner-Versammlungen, die das Ziel hatten, gegenüber der Zügellosigkeit im Reformieren einen Zusanimenschluß und eine gemeinsame Aussprache der Gleichgesinnten herbeizuführen. Die erste nicht öffentliche Versammlung hatte auf Geigers Einladung 183? in Wiesbaden stattgefunden. Auch an allen folgenden hat er teilgenommen, die von Frankfurt 1845 und von Breslau 1846 standen stark unter seinem Einflüsse. Nicht nur, daß er dem Präsidium angehörte, war er Mitglied der wichtigsten Kommissionen und Berichterstatter in entscheidenden Fragen, in denen seine Thesen häufig die Grundlage der Aussprache und Beschlußfassung bildeten. Es müßte die ganze Geschichte der Reformbewegung hier wiederholt werden, wollten wir Geigers Tätigkeit im einzelnen gedenken. Als 1868 in Cassel ein Versuch gemacht wurde, die Rabbinerversammlungen wieder zu beleben, hat sich Geiger dem Rufe nicht entzogen, er hat für die beiden Synoden in Leipzig und Augsburg ausführliche Gutachten über umfassende und einschneidende Gebiete, wie die Ehegesetze, vorgelegt. — Geigers Streben ging dahin, die theologische Forschung unabhängig zu gestalten von allen Zufälligkeiten, ihr Dauer und Stetigkeit zu verleihen. In der wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie (6 Bände 1835—1847) und in der jüdischen Zeitschrift für Wissenschaft und Leben (11 Bände 1862—1874) schuf er eine Plattform für die theologische Diskussion mit weitgehendster Freiheit. Wichtiger noch war sein Ein-