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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 51

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1911-01-01
Page
Seite 51 (sequence 31)
Language
German
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51 Schöpfungen. Ein Stamm, der sich von Epoche zu Epoche sozusagen verjüngt und neue literarische Werte schafft, ist geschichtlich unsterblich. Manche betrübenden Erscheinungen in der Gegenwart verlieren doch viel von ihrer Bedenken erregenden Bedeutung, wenn man einen Blick auf die große Vergangenheit wirft; in ihr liegt die Gewähr für die Zukunft. Gewiß gab es geschichtliche Epochen im Judentum, wo die geistige Kraft des jüdischen Volkes erlahmt zu sein schien — aber gänzlich gebrochen und vernichtet war sie niemals. In solcher Zeit der Ermüdung schuf das Volk nicht mehr, aber es gab sich Mühe, emsig das früher Geschaffene zu sammeln. In der Kulturgeschichte der Juden sind dieselben Erscheinungen zu beobachten wie in der allgemeinen Kulturgeschichte der Menschheit Dieser Gedanke ist von dem jüdischen Religionsphilosophen des 19. Jahrhunderts, N. Krochmal, in seiner vollen Tiefe niedergelegt worden, als dieser geistvolle Denker die Idee der ^»egel'schen Geschichtsphilosophie aus die Entwicklungsgeschichte des Judentums anwendete und durch sie die Unsterblichkeit des jüdischen Volkes bewies. — Der jüdische Geist hatte seine geschichtlichen Epochen, in denen er eine neue Gattung von Literatur schuf. War diese Epoche zu Ende und der schaffende Geist in: jüdischen Volke für einige Zeit erschöpft, so trat eine Ruhepause ein, und es begann die Sammeltätigkeit. Auch diese war für die Entwicklung des Judentums von großer Bedeutung, denn durch sie wurde das Vorhandene in Sicherheit gebracht, die gesammelten Schätze wurden für ewige Zeiten aufgespeichert. Auf diesem Vorhandenen baute eiu späteres Geschlecht weiter, wenn die schaffende Kraft im jüdischen Stamm wieder erwachte. Es gab bei uns eine Zeit, wo man den Fleiß der Literarhistoriker mit all ihrer Gelehrsamkeit und all ihrem Feuereifer verspottete, und selbst ausgezeichnete Meister der Literaturgeschichte traf zuweilen der süffisante Spott. Diese Zeit ist aber glücklicherweise worüber, und heutzutage wird alles mit verdienter Anerkennung und Dank eutgegengenommen, was auf diesem Gebiet an Forschungen und Sannnlung geleistet wird. 4*

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