Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 16)
- Language
- German
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36 abstreifen wird, und erst dann .wird das Werden, die Entwickelung der Religionsidee, wie auch ihr Einfluß auf die Gesittung der Menschheit irn richtigen Licht erscheinen. Eine allgemeine Geschichte der Religionen in populärwissenschaftlicher Darstellung ist das Buch „Orpheus" von Salomon Reinach, das jetzt in einer guten deutschen Übersetzung von A. Mahler vorliegt. Das Buch hat zweifellos seine Vorzüge und ist lesenswert, obgleich manche Thesen in ihm nicht richtig gestellt sind. Auch dem Judentum ist in diesem Buch ein interessantes Kapitel gewidmet, scheinbar ganz objektiv, in Wirklichkeit aber -— subjektiv nach der andern Richtung hin. Es ist dies übrigens eine gefährliche Klippe für manche jüdische Forscher, die in Bezug auf das Judentum objektiv verfahren wollen; sie treffen doch nicht den richtigen, d. h. den streng wissenschaftlichen Ton. Die Aeußerungen Reinachs über die Bibel sind durchaus falsch, selbst wenn man vom religiösen Standpunkt ganz absehen wollte. Er hat dieses wunderbare Schrifttum auch von der ästhetischen Seite nicht gehörig ersaßt und ist ihm deshalb nicht gerecht geworden. Andererseits finden sich in diesem immerhin lesenswerten Buche manche ausgezeichnete Bemerkungen über Antisemitismus, Judentaufe und konfessionelle Ueberhebung seitens der herrschenden Religionen, die man als durchaus trefflich bezeichnen kann. — Ein recht vorzügliches, trotz seiner strengen Wissenschaftlichkeit doch auch apologetisch gehaltenes Buch ist die Schrift E. Maders: „Die Menschenopfer der alten Hebräer und der benachbarten Völker". Seit dem Erscheinen des trostlosen Buches von G. Fr. Daumer „Der Feuer- und Molochdienst der alten Hebräer als urväterlicher, orthodoxer Kultus der Nation, historisch - kritisch nachgewiesen" im Jahre 1842 und des nicht minder verleumderischen Buches von T. W. Ghillany, „Die Menschenopfer der alten Hebräer" (1842), gegen die s. Z. auch Zunz ausgetreten ist, hat dieser wissenschaftliche Aberglaube seinen Eingang in die Protestantische Bibelforschung gefunden. Selbst die hervorragendsten Forscher aus der deutschen und holländischen Schule huldigten ihm. In neuerer Zeit