Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 7)
- Language
- German
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27 erwähnt zu werden verdienen, sondern häufig auch andere Werke, die gelegentlich auch das jüdische Gebiet streifen. Solche enthalten mitunter im Rahmen einer allgemeinen Forschung. manche sehr wichtige Belehrung über Juden und Judentum. Im letzten Berichtsjahr ist, was ich gleich hcrvorheben mochte, auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft des Judentums sehr fleißig gearbeitet worden. Ein bestimmter Plan lag dieser Arbeit natürlicherweise nicht zugrunde. In der Gelehrtenrepublik herrscht vollständige Freiheit und weitgehende Ungebundenheit. Eine gewisse Gesetzmäßigkeit bietet nur das allgemeine Interesse; ich möchte beinahe sagen, die herrschende Mode. Denn daß auch in der Wissenschaft das Interesse oft abwechselt, ist eine längst anerkannte Tatsache. Das religiöse Problem unserer Zeit hat das Interesse für religionsgeschichtliche Studien geweckt, und damit ist zum großen Teil auch das für reine Altertumskunde verbunden. Alles, was mit diesen Fragen in irgendwelcher Verbindung steht, gehört nahezu zu den wissenschaftlichen Tagesfragen. Eine eigentümliche Erscheinung der letzten Zeit ist die sehr eifrige und oft auch durchaus wertvolle Mitarbeiterschaft, die diesen Forschungen von katholischen Gelehrten und Geistlichen zuteil wird. Man wird diese Mitarbeiterschaft bei objektiver Betrachtung als erfreulich bezeichnen, denn sie hat zweifellos ihr Gutes. Die katholischen Forschungen und populär-wissenschaftlichen Abhandlungen, die der Religionsgeschichte, der Bibelwissenschaft, der älteren jüdischen Geschichte und dem diesen Disziplinen Verwandten gewidmet sind, zeichnen sich in der Regel durch große Besonnenheit und Vorsicht aus. Angesichts des Umstandes, daß die Hypothese und die waghalsige Konjektur auf diesem Gebiete einen nur allzu breiten Raum einnehmen, ist es immer gut, wenn von einer andern Seite zu ruhiger Ueberlegung gemahnt wird. Man kann aber nicht behaupten, daß in dieser Schule nicht Wissenschaft gelehrt werde. Es wird da sehr häufig sehr Gediegenes geboten, das noch den Vorzug hat, daß es sicher und unanfechtbar dasteht.