Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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22 des Judentums den ihr gebührenden Platz in der universellen Geschichte des Geisteslebens anzuweisen. Diejenigen, die sich von dieser Wissenschaft und ihren Ergebnissen fernhalten, schaden nur sich selbst und der Sache, der sie dienen wollen. Vor einigen Jahren las ich ein jüdisches wissenschaftliches Buch, in hebräischer Sprache geschrieben. Ich meine das viel besprochene, viel geschmähte und viel gelobte, jedenfalls aber sehr beachtenswerte „Dorot ha-rischonim" des Isaak Halevy. An einer Stelle wird auf eine geschichtliche Notiz in dem palästinischen Talmud hingewiesen, aus der klar hervorgeht, daß Kaiser Diokletian Palästina besucht hat. Vor etwa einem halben Jahrhundert bildete diese Tatsache den Gegenstand einer lebhaften Kontroverse zwischen Theodor Mommsen und den anderen Geschichtsforschern. Wenn Mommsen das gewußt hätte! Wenn er überhaupt im talmudischen Schrifttum, an dem noch heutzutage manche Forscher mit einer Scheu Vorbeigehen, nach geschichtlichen Quellen gesucht hätte! Von jüdischer Seite geschieht dies ja seit*den bahnbrechenden Arbeiten Rapaports mit großem Eifer. Aber noch immer kann man sich nicht dazu entschließender Wissenschaft des Judentums die volle Gleichberechtigung zu gewähren. Und selbst wenn man dies im Prinzip tut, geht es ihr wie vielfach dem jüdischen Volksstamm. Die gesetzliche Gleichstellung wird ausgesprochen, weil man nicht anders kann; aber im gesellschaftlichen Leben herrschen noch so viele unfreundliche Vorurteile gegen die Juden, gegen das Judentum und auch gegen die Wissenschaft des Judentums. Heinrich Grätz hat seine großangelegte „Geschichte der Juden" mit einer Aeußerung abgeschlossen, aus der hervorgeht, daß man vor mehr als vierzig Jahren die bürgerliche Emanzipation der Juden als bereits erkämpft betrachtete. Nun hieß es, auch die Anerkennung des Judentums zu erringen. „In West- und Mitteleuropa bis an die Grenzen Rußlands und bis an das Gebiet des Papsttums (diese Worte sind zu einer Zeit niedergeschrieben worden, wo die weltliche Herrschaft des Papstes