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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1911-01-01 · 14 (1911) · p. Seite 16

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
14 (1911)
Article
Rückblick auf das Jahr 5670
Date
1911-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Die Ausweisungen von Juden wurden rnit frischen Kräften ausgenommen. Am lebhaftesten und umfassendsten wurden sie wieder in Kiew betrieben. Diese Stadt, in der Juden nur unter gewissen Bedingungen sich niederlassen dürfen: als Kaufleute erster Gilde, Akademiker, Handwerker, zieht doch immer wieder deren große Masse an, da die Stadt den Mittelpunkt des gesamten Verkehrs zwischen dem Nordwesten und dem Süden des ungeheuren Zarenreiches bildet. Die Polizei läßt eine Zeit lang gewähren, erhebt von den Unberechtigten einen starken Tribut und weist endlich alle diejenigen aus, die nicht mehr oder die überhaupt nicht zahlen können. Reiche, die starke Bestechungen geben können, werden von ihr in Ruhe gelassen. So hat sie vom Mai 1910 an wieder serienmäßige großartige Ausweisungen vorgenommen: im ganzen tausend Familien mit mehr als 5000 Seelen. Aehnlich ging es in Riga, Kasan, Woronesch, Torobecz, (Pleskower Gouvernement) und selbst in Moskau zu. Vergebens haben Angehörige aller Klassen der lokalen christlichen Gesellschaft gegen diese Gewaltmaßregeln protestiert. In Moskau erfand die Polizei eine in ihrer Raffiniertheit wahrhaft erstaunliche Variante: wenn selbst die Eltern wohnberechtigt seien, so doch nicht deren Kinder — und wies diese letzteren aus. Glücklicher Weise hat der Senat wenigstens dieser Pharaonischen Grausamkeit einen Riegel vorgeschoben. Aus den Dörfern des Gouvernements Kjelzi wurden 800 Familien, die zum Teil dort seit unvordenklichen Zeiten ansässig waren, ausgetrieben; aus Turkestan sänitliche bulgarische, afghanische und persische Juden, 576 Familien. Der größte Teil aller dieser unglücklichen Opfer verläßt für immer den ungastlichen Boden des barbarischen Reiches und das war wohl der hauptsächlichste Zweck dieser ganzen Veranstaltung. Ein barbarisches Reich! Die stärkste Erläuterung dazu bildet der Umstand, daß man arme Kranke und Leidende, wenn sie „Hebräer" sind, selbst aus Spitälern, Luftfrischen und Kurorten verbannte, auch wenn sie schon die Miete für den ganzen Sommer vorausbezahlt

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