Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5670
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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aus, weil sie ausgezeichnete Bürger seien, die Gesetz und Ordnung lieben; er sei erfreut, daß sie in dieses Land gekommen seien? Wahrlich aus autoritativem Munde ein neues Zeugnis dafür, daß die Juden nicht Umstürzler und Anarchisten, kein „staatszersetzendes Element" sind, wie deutsche und russische Antisemiten das unverfroren zu behaupten pflegen. Auch ein hervorragendes Opfer des Anarchismus, der von diesem verwundete hoch angesehene Oberbürgermeister New Jorks, Gaynor, hat sich sehr lebhaft zugunsten der jüdischen Bewohner, seines großen Vaterlandes ausgesprochen. Und doch besteht jetzt deren ungeheure Mehrheit aus jüngst eingewanderten Russen, denen man in ihrer alten Heimat alles mögliche Ueble nachgesagt hatte, und die sich naturgemäß nur sehr allmählich in der neuen Welt assimilieren können. Der Immigration mittelloser oder kranker Juden treten freilich die Zollbehörden jetzt mit großer Strenge entgegen — eine Warnung für unsere östlichen Glaubensgenossen und die Gesellschaften, die sich mit deren Verpflanzung beschäftigen. In einem anderen Lande der Einwanderung, der britischen Kolonie Südafrika, nimmt das jüdische Element eine sehr geachtete Stellung ein. In der größten Stadt des ehemaligen Transvaal, in Johannisburg, ist kürzlich ein begeisterter Bekenner des Judentums, Graumann, zum Bürgermeister gewählt worden. In das erste Parlament der „Vereinigten Staaten von Südafrika" — wie die große englische Kolonie nunmehr heißt — hat das Volk drei jüdische Abgeordnete entsandt, darunter den Schwiegersohn des bekannten Gelehrten Schechter. Die bedeutende Minenindustrie und das durch diese zu gewaltiger Entwicklung gelangte Bankwesen der Stadt verdanken ihr Dasein zum großen Teile den Juden. Von den 60 000 Bewohnern Johannisburgs besteht mindestens ein Drittel aus Juden. Diese bezeugen auch das lebhafte geistige Bedürfnis ihres Stammes; sie haben ein Theater begründet, wo gute, von künstlerischen und ethischen Richtungen beherrschte Stücke von recht annehmbaren Schauspielern vorgeführt werden.