Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 14 (1911)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5670
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Italien ist schon seit einem halben Jahrhundert der Glaubensfreiheit gewonnen. Aber welch Erfolg, daß jetzt auch die Hochburg des ausschließenden und fanatischen Katholizismus, Spanien, ihr endlich weit die Tore öffnet! Ein Erlaß des Königs vom Juni 1910 gewährt allen Religionsgesellschaften, die sich nicht zur katholischen Staatsreligion bekennen, volle Freiheit der Religions- Übung. Nun dürfen auch die Juden öffentlich Synagogen bauen, die als solche kenntlich sind. Sie dürfen ihren Glauben bekennen und ohne Scheu verbreiten und verfechten. Diese Duldsamkeit aber ist nicht nur Sache der Regierung, sondern auch des Volkes. Seit dem Jahrhundert, in dem die spanische Volksvertretung besteht, ist zuni ersten Male ein Jude, der Bankier Gustav Brauer in Madrid, zun: Abgeordneten gewählt worden, und zwar in dem der bisher glaubenseisrigen Provinz Galicien angehörigen Wahlkreise Eoruüa. Diese Wahl ist in der Tat ein wichtiges politisches Ereignis in einem Lande, wo feit mehr als vier Jahrhunderten kein Jude sich als solcher bekennen, geschweige denn eine öffentliche Stellung einnehmen durfte. Das Licht siegt doch über die Finsternis, so hartnäckig diese sich auch wehren mag. Auch in dem lange judenfeindlichen Griechenland dürfen wir einen gleichen Fortschritt beobachten. Die christliche Bevölkerung lebt dort mit den schnell aufblühenden israelitischen Gemeinden in besten: Einvernehmen. Regierung und Parlament unterstützen aus Staatsmitteln den jüdischen Religionsunterricht. An der Universität Athen soll ein Lehrstuhl des Hebräischen begründet werden. Jenseits des großen Wassers, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, genießt das Judentum nicht allein der Gleichstellung, sondern auch aufrichtiger Sympathien seitens der Regierenden. Der Präsident der mächtigsten Republik der Welt, Mr. Taft, hielt es nicht für seiner Würde abträglich, bei einem Bankett der jüdischen Bne Brith Logen zu erscheinen. Er sprach bei dieser Gelegenheit seine Bewunderung für die Juden