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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 267

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Die gute Partie
Date
1908-01-01
Page
267 (sequence 17)
Language
German
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267 wir heute! Und dann — ich habe Dich zurückgewonnen! Nicht wahr, ich habe? Du wirst nicht mit Unbehagen kommen; ich denke du wirst wirklich zu deinem Starnme zurückkehren. Es gilt bei uns ein schwergeprüftes Volk zu erlösen, das gequält, gepeinigt, seiner Menschenwürde entkleidet wird, das flüchtig von einem Lande zum anderen zieht, das man täglich auf's neue an's Kreuz nagelt, und das stündlich eines jammervollen Todes stirbt. Hilf es erlösen, auf das du erlöset und selig werdest". Edith klammerte sich an Gertrud und küßte sie innig. Alfred hatte immer wieder vorsichtig hereingelugt, das merkte das ältere Mädchen, sie erhob sich, um die beiden allein zu lassen. Sie kehrte in den großen Salon zur Gesellschaft zurück, die inzwischen durch den Hausherrn vergrößert worden war. Generaldirektor Conty war noch immer ein stattlicher Mann, mit vollem grauen Haar auf dem kräftigen Haupte. In seinem energischen Gesicht fiel besonders der dichte graue Schnurrbart auf, der ihn: mehr das Aussehen eines alten Militärs als eines Finanzmannes verlieh. Frau Feilchenblau war eben daran, ihm zu erzählen, wie peinlich es doch sei, daß Edith „übertreten" müsse, besonders all' ihren christlichen Bekannten gegenüber wäre es unangenehm. Schließlich bat sie um eine stille Hochzeit. Die Stastny meinte, es sei überhaupt nicht mehr Mode, öffentlich zu heiraten, die ganz noblen jüdischen Trauungen fänden alle im eigenen Heim statt. „Ja, aber bei unserer lieben Frau Direktor Feilchenblau geht das ja nicht", meinte die Fraenkel, ganz glückselig ihre Freundin recht derb necken zu können. „Die Trauungen finden in: Hause der Brauteltern statt, bei Ihnen ist das jedoch unmöglich, der Herr Rabbiner kann doch in einem christlichen Hause keine jüdische Trauung vornehmen?" Darauf verlegene Stille.

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