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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Die gute Partie
Date
1908-01-01
Page
265 (sequence 15)
Language
German
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265 Ich war verwöhnt und hatte nie müssen. „Gewiß", antwortete er, „sonst können wir nicht heiraten." Nun wurde ich mit Absicht aggressiv, ohne wenn auch nur viel dabei zu denken. ,,Du könntest doch ebenso gut Jude werden", warf ich ein. Da wurde er grob, verletzend, roh Er tat, als ob ich verrückt geworden wäre. Wut, Haß, Nerachtung — sie prägten sich so klar in seinem Gesichte aus, daß ich in meinem Innersten erschrak. Wenn ihm bei dem bloßen Gedanken, zu uns zu gehören, ein solcher Ekel ergreift, wie ist es möglich, daß er dich lieben kann oder doch nur in redlicher Gemeinschaft mit dir zu leben vermag? Sollte ineine Taufe, kann eine religiöse Zeremonie sein Empfinden so völlig wandeln?" Das tauchte blitzschnell in mir auf und machte mich halsstarrig. „Je nun, ich werde nicht übertreten", sagte ich nach langem Geplänkel, in welchem manch' herbes Wort fiel, so fest und sicher, daß er es glauben mußte. Er blieb einige Tage weg, frug nochmals brieflich QN — dann war alles vorbei! Als es vorüber war, erfuhr ich einige Einzelheiten uus der Vorgeschichte meiner Verlobung. Mein Bräutigam hatte Schulden und ließ sich deshalb in reichen jüdischen Kreisen als adeliger Schwiegersohn anbieten". Edith hatte bisher zaghaft wie ein verregnetes Vöglein zugehört. Nun wagte sie das erste Wort: „Arme Gertrud!" Gertrud schwieg eine Weile, wie um sich zu erinnern. „Ja, warum ich dir das alles erzähle? Warte nur, ja doch, je nun, um dir zu sagen, daß du glücklich, namenlos glücklich bist, einen Mann zu wissen, der dich um deinetwillen liebt, der dich begehrt, nur dich und nicht bas Geld deiner Eltern. Für einen liebenden Mann bars man alles opfern, alles". Edith wagte kaum zu widersprechen. Sie stammelte nur einige Worte. Da unterbrach sie die ältere Freundin: Warte, ich habe noch etwas zu sagen.

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