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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 262

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Die gute Partie
Date
1908-01-01
Page
262 (sequence 12)
Language
German
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262 zu wispern, wieviel sie mitbekommt; ein Kreis von Erkundigungen schleicht ums Haus, jedes Bürschchen, das Geld genug hat, sich ein Modegilet zu kaufen und durch einen Zufall mit ihr bekannt wird, geht zum Rechercheur, um sich zu erkundigen, ob er sich zur Liebe rüsten darf; man wird aus- und angeboten ohne Willen und Wissen und ohne jede Spur von Zustimmung. Keiner von diesen Jünglingen fragt, ob das Mädchen eine Persön-, lichkeit ist, wie ihr Herz beschaffen sein mag, ob sie so etwas wie ein Seelenleben besitzt, wenn sie links tanzt oder sich besonders fesch kleidet, hebt sie das ein wenig über die Summe der Mitgift hinaus. Ich war mit zweiundzwanzig unverlobt, eine Folge niemer Hellhörigkeit. Ich kannte genau den Preis eines jeden Jünglings in meinen Kreisen; ich wußte aber auch, daß ich einige hunderttausend Kronen mitbekommen würde. Mir ekelte vor all dem, ich sah in jedem jungen Mann einen Mitgiftjäger, was zur logischen Folge hatte, daß ich fest überzeugt war, die christlichen jungen Leute seien idealer. Denn schließlich irgendwo mußten sich die Liebesszenen ereignen, von denen man ein ganzes Leben lang liest. Später habe ich es begriffen, daß die Bourgeosie jeder Nation sich auf Geldheiraten aufbaut. Die Gründe anzuführen ist hier nicht der Platz. Kurz, eines Tages tauchte ein adeliger Beamter in unserem Hause auf; ein stattlicher Mann, der uns allen sehr imponierte, schon weil er ein Arier und adelig war. Wir wurden viel aHeiit gelassen — er gefiel mir, erklärte sich und wurde mir verlobt. Auf meine Konfession hatte ich kein Gewicht gelegt; man sprach in unseren Kreisen nicht davon; sie hatte uns weder gestört noch erfreut. Man hätte auch weiter nicht davon gesprochen, wenn ich einen Israeliten geheiratet hätte — aber da es ein Katholik war, mußte man darüber reden. Dem: es war selbstverständlich, daß ich übertreten sollte. Ich kannte die christliche Religion ziemlich genau — wie alle gebildeten Judenmädchen sie kennen — das verklärte

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