Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Die gute Partie
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 258 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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258 schon Von der Negerfrage in Amerika gehört. Sie wissen, daß die Afrikaner dort verhaßt und verachtet sind. Und wenn einer im vierten Geschlecht von Negern stammt, so daß äußerlich nichts, aber auch garnichts von seinem Negertnm zu merken ist — er gilt nicht für gesellschaftsfähig. Da ist ein sehr reicher Mulatte aus eine köstliche Idee gekommen: Er hat folgendes Zirkular ausgeschickt. Ich beehre mich Ihnen anzuzeigen, daß ich mit heutigem Tage aus der schwarzen Rasse ausgetreten bin". Die Gesellschaft warf giftige Blicke auf die Fraenkel, aber jeder Einzelne mußte unwillkürlich lachen. Inzwischen hatten sich die Salons immer mehr geleert, im Nebenzimmer blieben noch drei junge Leute zurück: zwei Mädchen und ein junger Herr. Die eine junge Dame warf schmollend ihr zartes Persönchen zwischen einen Berg bizarrer Pölster. Das schmale Gesicht war von blonden Strähnen, die bis an die Wange reichten, fast verdeckt. Die dunklen Augen von kräftigen Brauen umschattet, wollten nicht recht in das Pfirsichgesicht passen. Es war keine Einheit in diesem Gesichtchen, dessen feines Näschen sich ein wenig in die Höh' stülpte und doch an der Wurzel eine Biegung ins altvölkische aufwies. Auch das Empfinden des Fräuleins schien aus dem Gleichgewicht. Es flog wie ein Wetterleuchten über die seinen Züge, besonders wenn sie zu dem schlanken jungen Manne aufschaute, der sich ihr genähert hatte. Er beugte sich zu ihr hinab, sprach neckend und doch ernst auf sie ein, die sich schmollend abwendete. Das andere Fräulein hatte sich an einem Lesetisch zu schaffen gemacht. „Edith", lockte der dunkelhaarige Jüngling das blonde Kind, „sei vernünftig". — Edith biß die rosigen Lippen zusammen, schien jedoch gar keine Lust zu haben, vernünftig zu werden. Plötzlich stieß sie die Worte heraus: „Nein, nein, nie verlasse ich meine Religion, eher —" „Eher!" rief drohend der junge Mann. Edith zögerte eine Weile, die Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie den Satz be-