Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Die gute Partie
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 257 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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lassen. Ihr Mann meine, die Gesellschaft werde immer schlechter. Da sprang die Fraenkel in ihrer temperamentvollen Weise auf. „So, und jetzt will ich Ihnen erzählen, wahrheitsgemäß erzählen, warum ich kein Kreuz mehr auf der Brust trag'. Auch im Sommer nicht, wenn wir im Gebirge sind. Vor zwei Jahren in Tirol, war mit uns im selben Dorfe eine dicke, taube Jüdin zur Sommerfrische- Die war auch katholisch und trug auch ein Kreuz auf der Brust. In der ganzen Familie konnte kein Mensch ordentlich deutsch reden — und da man wegen der tauben Tante laut sprechen mußte — da können Sie sich das übrige denken. Eines Tages hörte ich im Vorbeigehen, wie eine Nichte die Alte anschreit: „Muhme, Ham se schon gehört? Schaul Klapperstangs sennen auch schon Gojim geworn". Da legte ich das Kreuz ab und schämte mich meines Christentums. Denn — so sagte ich mir — irgendwo wirst du irgendwem genau so lächerlich erscheinen, wie diese Frau Dir". Frau Stastny und Frau Bachsteg seufzten tief auf — sie trugen schon lange schwer an der schlechten jüdischen Gesellschaft, die sich in die verschiedenen christlichen Konfessionen drängte — aber nun gab es keinen Ausweg für sie. Herr Dr. Cornitzer fand durch diese Wendung des Gespräches wieder einmal Gelegenheit, sein Sprüchlein anzubringen. „Es ist eine Uebergangszeit, und jeder Uebergang ist kritisch, darum muß die allgemeine Verschmelzung vorsichtig angepackt werden. Es ist ganz falsch, eine fremde Konfession anzunehmen und sich den anderen aufzudrängen; wichtig ist, daß man öffentlich erklärt: „ich will mit dein Ghetto und mit all seinen Auswüchsen nichts mehr zu tun haben", und das wird erreicht, indem man aus dem Judentum austritt und sich konfessionslos erklärt". Da wurde die kleine Fraenkel wieder ungeduldig. „Sie, Herr Doktor, Sie haben doch