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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 256

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Die gute Partie
Date
1908-01-01
Page
256 (sequence 6)
Language
German
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— 256 — sei. Das glauben zwar die Mütter heiratsfähiger Söhne immer, aber in diesem Falle war der Glaube tief begründet. Und das war es, was die Fraenkel der Frau Feilchenblau klar zu machen suchte, als die Conty sich wieder anderen Gästen widmete. „Der Alfred ist die beste Partie von ganz Wien: reich, unabhängig, jung, gesund, fesch, geistig und körperlich fein ausgebildet, dabei unverbraucht solid. Und wie der mit seinen Eltern zusammenhängt — ordentlich altmodisch das Verhältnis. Gute Kinder werden immer gute Eheleute". Das alles machte tiefen Eindruck auf Frau Dr. Feilchenblau, deren Gesicht vor innerer Erregung sich rot färbte; sie hatte nur eine Ausstucht, sie fürchte lächerlich zu werden, wenn Edith zum Judentum zurückkehre. „Lächerlich"? rief die Fraenkel mit einem kleinen Wutanfall, „lächerlich waren wir bei unserem Uebertritt. Was hat's uns genützt? .Für die Christen sind wir genau dieselben Juden wie früher. Unsere Kinder haben alle zusammen keine bessere Carriöre gemacht als unsere jüdischen Bekannten, und was die Hauptsache ist, wir haben genau denselben Verkehr in der Familie wie vor 25 Jahren". „Ich gebe zu, daß unsere Situation schwierig ist", bestätigte Frau Bachsteg, „besonders beim Verheiraten der Mädel. Richtige Arier melden sich nicht, oder sie sind auch darnach, sie würden auch schwer passen. Juden will man nicht und kann man nicht heiraten wegen der Verschiedenheit der Religion. Ja, was soll man eigentlich anfangen"? Das war nur das richtige Stichwort für Dr. Cornitzer. „Wissen Sie was, meine Damen, annoncieren Sie in der Presse: Christliche junge Männer aus guten jüdischen Häusern behufs Ehe gesucht."' Frau Bachsteg meinte, das sei ein alter Witz. Frau Stastny bestätigte jedoch das Unbehagen der anderen, es gebe wirklich wenig vornehme Juden, die sich taufen

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