Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Die gute Partie
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 255 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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25ö als großer Spötter bekannt war und sich infolge seiner Konfessionslosigkeit über alle Religionen glaubte lustig machen zu dürfen — verstummte das Gespräch plötzlich. Dr. Cornitzer war ein Mann, dessen Gesicht das Typische des Judentumes sehr deutlich aufwies; besonders die Nase war derb und stark gebogen. Seine Frau wisperte ihm leise zu, daß Alfred Conty und Edith Feilchenblau wegen Verschiedenheit der Konfessionen auf Heiratsschwierigkeiten stoßen. Da frug der Doktor recht laut, voll scheinbarer Naivität: „Zu welcher Konfession gehört denn der Herr Conty? bei uns Juden weiß man doch das nie genau"! fügte er wie entschuldigend hinzu. „Alfred Conty ist mosaisch"! „So, mosaisch", er lächelte malitiös. „Na ja, so reiche Leute können sich das erlauben. Uebrigens, in der Bank-Carrisre schadet das garnichts". Die Hausfrau kam gerade an das Tischchen zurück, als diese Worte fielen, sie lächelte still in sich hinein. Da sie alle anschauten, mußte sie sprechen. Es war etwas Ernstes, Verhaltenes in ihren Worten, und ihre Rede hob sich stark ab von dem, was sonst bei Jours gesprochen wird. „Unser Alfred ist nicht blos mosaischer Konfession, er ist Jude. Wir haben ihn so erzogen, daß er mit Liebe an dem überlieferten Judentum hängt und seine Herkunft aus diesem alten stamme in Ehren hält. Das ist jedoch eine Frage der persönlichen Ueberzeugung", fügte sie rasch hinzu — sie wollte ihren Gästen nicht wehe tun. Wer in der Wiener jüdischen Gesellschaft verkehren will, muß tolerant sein. Man trifft fast in jedem Kreise konfessionelle Unterschiede durch Uebertritte hervorgerufen. Jahrzehnte hindurch hatte Frau Isolde es zu vermeiden gewußt, mit ihren vier besten Freundinnen über Religion zu sprechen — nun schien ein Konstikt aus konfessionellen Gründen unausweichlich. Sie fühlte sich jedoch die zwiefach Stärkere. Sie hatte für sich die Stetigkeit der Ueberzeugung und dann wußte sie, daß ihr Sohn eine der glänzendsten Partien von ganz Wien