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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1908-01-01 · 11 (1908) · p. 254

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
11 (1908)
Article
Die gute Partie
Date
1908-01-01
Page
254 (sequence 4)
Language
German
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254 die Fraenkel, „und die Edith ist in den Alfred verschossen, das weiß doch ganz Wien". „Frau Fraenkel, ich muß bitten", wehrte sich jetzt Frau Feilchenblau. Nun wurde die kleine Dame ungeduldig — „aber gehn's, machen's doch nicht immer solche Faxen. Das ist doch ein großes Glück, wenn zwei liebe, junge g'sunde Menschen sich von jung auf gern haben". Frau Conty war aufgestanden, um sich den anderen Gästen zu widmen. Das Paßte der Fraenkel, die nun. ihr Thema weiterspinnen konnte. Alle Damen sprachen auf Frau Feilchenblau ein, die immer nur die eine Einwendung wußte, die Verschiedenheit der Religion. „Gehn's, sein's nit fad", schmollte die Fraenkel, „die Edith wird halt wieder, was wir alle einmal gewesen sind". „Aber ich bitte um Gottes willen", erwiderte die Feilchenblau pathetisch, „meine Edith ist sehr fromm, wir sind überhaupt alle überzeugte Christen". „Gehn's, erzähl'ns das Ihrem Herrn Pastor", unterbrach die Fraenkel ungeduldig, „die Edith, die ist ein ganz gescheidtes Mädel, die wird dem Alfred zu Lieb gern wieder Jüdin". „Meine Edith", replizierte die Feilchenblau fast zornig, „die ist ein ganz besonderer Liebling unseres Herrn Superintendenten von Norweg. Wenn Sie nur sehen würden, mit welcher inneren Weihe sie jeden Sonntag zur Kirche geht". Dieses Bekenntnis erzeugte eine kleine Pause, die endlich von der Stastny unterbrochen wurde. „Ja sehen Sie, mit Mädeln ist das immer sehr riskant. Mein Mann hat sich das gut überlegt. Die Buben, hat er gesagt, die lass' ich alle katholisch werden, aber die Mädeln, die sollen transito liegen bleiben". Die Damen lächelten sehr gezwungen. „Nun ja", fuhr die Stastny unbefangen fort, „man weiß doch wirklich nicht, wen so ein Mädel einmal heiratet". Inzwischen hatte sich Herr Dr. Cornitzer von einer Männergruppe losgelöst und sich den Damen zugesellt. Da er

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