Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 248 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3111067-3111088-3114454--3068-3114716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 248 — Winkel, faltete die Hände und sah schmunzelnd vor sich hin. „Was lachste?" fuhr Röschen ihn an, die eben das „Tafeltuch" zusammen zu legen versuchte, wobei ihr das eine Ende immer wieder entglitt. „Ich lach doch garnit." „Aber Du hast 'n Gesicht gemacht, als ob Du lachst." „Ich freu mer." „Was haste Dir zu freuen?" „Weil ich mir jetzt zu Haus fühl." „Jetzt, was heißt jetzt? Mste nit zu Haus seit heut morgen in der Früh? „Ich bin zu Haus seit heut morgen in der Früh, aber zu Haus fühlen tu ich mir jetzt erst Widder." „Ich Hab Dir schon mal gesagt, ich bin zu alt for Rätsel raten." „Na, dann will ich Der's erklären: Den ganzen Tag sind wir um 'nander rumgegangen, un es war alles so . . . ich weiß nit . . . mer hat sich scheniert. Aber nu wo Du Widder schimpfst ..." „Was? . . . Ich? Ich schimpf?" Röschen sah ihren Mann entgeistert an und war wirklich für einen Augenblick sprachlos. Dann aber faßte sie sich, und es klang eine tiefe Ueberzeugung aus den Worten, als sie nun sprach: „Nicht wert biste, daß Dir die Sonn' bescheiyt." — Die beiden Alten hatten das Klopfen an der Tür überhört. Jetzt trat Frau Dr. Stern, eine große Tüte mit Kuchen in der Hand, ein. Hinter ihr drückte sich das Schanettchen her, die Ohren gespitzt, die Augeir funkelnd in Erwartung einer großen Sensation. Sie hatten die letzten Worte mit angehört. — „Guten Tag" sagte Frau Dr. Stern, „ich komme, um mit Euch die Rückkehr vom Samuel zu feiern, nur scheint aber, daß es hier nichts zu feiern gibt."