Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 11 (1908)
- Article
- Eine glückliche Ehe
- Date
- 1908-01-01
- Page
- 246 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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246 können pünktlich sein", sagte sie ärgerlich vor sich hin, denn sie hatte Kaffeedurst. Der Heimgekehrte saß indessen drinnen auf dem Sofa, ein Platz, der ihm sonst versagt war, da er die „Sprungfedern" zu sehr beschwerte. Er rauchte seine Pfeife, aber sie wollte ihm nicht recht schmecken, immer hatte er was darin herumzustochern. Schwere Falten bedeckten seine sonst so klare Stirn. Röschen hockte im Lehnstuhl am Fenster und sah Muels Sachen nach. „Alles verdreckt und verlumpt" behauptete sie, aber sie fand nur, daß zwei Knöpfe abgerissen waren. Jede Minute klopfte sie ans Fenster und rief dem Schanettchen zu: „Kommt se noch immer nit?". — Es lag eine frostige Stimmung über dem kleinen Raum. — „Weißte Rösche, ein Täßche könnten mer eigentlich schon trinken", meinte Muel vom Sofa her. „Was Dir einfallt! Eh daß sie da is, könn' wir nit trinken. Wem verdankste, daß Du Widder hier bist?" „Nun was schad' ich ihr damit, wenn ich ein Täßchen Kaffee trink', bevor se kommt?" — Es hatte sich den ganzen Tag über schon wieder viel Groll bei Röschen angesammelt, aber sie hatte sich zusammengenommen, jetzt konnte sie ihn nicht länger zurückhalten. „Nix geändert im Asyl! Derselbe Gierschlund biste geblieben, der Du warst." „Was soll ich mer auch noch ändern, 'n Mann von achtundsiebzig Jahr." „Viebenundsiebzig? Du machst Dir wieder 'n Jahr älter." „Ich bin achtundsiebzig, ich muß 's doch wissen, sie Habens doch genau ausgeschrieben im Asyl." „Du willst Dir bloß groß tun mit Dein hohes Alter. Als ob das schon was wär: 78. Mein Großvater selig ist geworden 97." „Im Heim is einer gewesen, der war 98." „Immer mußte doch 's letzte Wort haben." „Nee Rösche, 's letzte Wort das gehört Dir, schon unberufen seit fufzig Jahr."